Sören Kohlhuber: „Nach dem Sturm“

Mit „Nach dem Sturm“ legt der Journalist und Fotograf Sören Kohlhuber sein drittes Buch über aktuelle Nazibewegungen in Deutschland vor. Auf 226 Seiten berichtet Kohlhuber über diverse Nazidemos in den Bundesländern Thüringen, Sachsen Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg Vorpommern aus dem Jahre 2016. Ebenso betrachtet wird der „Tag der Deutschen Zukunft“ in Dortmund.

Kohlhuber geht in seinem dritten Buch, ebenso wie in den ersten beiden, dem Phänomen der rassistischen Aufmärsche in Ostdeutschland nach, besucht aber auch wieder jährlich stattfindende Aufzüge wie z.B. das sogenannte
„Heldengedenken“ in Dessau oder den Demminer Naziaufmarsch am 8. Mai.

Mit etwas Abstand zu den Hochzeiten der Jahre 2015/16 lässt sich resümieren, die mehr an rassistischen Aufmärschen dürfte sich erst mal erledigt haben. Jedoch zeigen Aufmärsche wie in Cottbus am 20.1.18, dass es nach wie vor einen großen rassistischen Nährboden gibt, der es bei ausreichender Skandalisierung schafft, mehrere Tausend Menschen zu mobilisieren, um gegen Geflüchtete und Andersdenkende mobil zu machen und eben diese spontanen Großaufmärsche zeigen, da gebe ich Sören recht, der deutsche Antifaschismus hat seine Wehrhaftigkeit verloren.

Zu Recht kritisiert er den Charakter von einigen zivilgesellschaftlichen Protestformen, z.B. in Form von Spendenläufen etc.. Und ja bei Naziaufmärschen geht es den Nazis immer um Deutungshoheit über ein bestimmtes Gebiet, einer Bestimmten Stadt oder Viertels und genau diese Deutungshoheit gilt es ihnen streitig zu machen, sie ihnen zu nehmen, egal ob in der Rigaer Str. in Berlin, im brandenburgischen Beeskow oder oder oder…

Während die Berichte zu den 14 von ihm besuchten Aufmärschen in gewohnter Manier daher kommen, also etwas zur Geschichte der Stadt/Region, kleiner Einblick in die Linke Szene Vorort und sich dann dem Tagesgeschehen gewidmet wird, enthält das Buch auch einen interessanten Einblick in das Berliner/Brandenburg Demogeschehen, in dem Szenen und Strukturen wie Bärgida-, Pogida und auch die Brandenburgerprovinz betrachtet wird, in der bis heute regelmäßige wöchentliche oder monatliche Rassisten bzw. Nazidemonstrationen stattfinden. Vielen Dank für den lohnenden Einblick.

Dann ist da nach wie vor das von ihm und vielen anderen kritisierte „wer es nicht mal in der eigenen Stadt (Berlin) schafft, sich zu bewegen, von dem kann man eine Reise in die Prärie auch nicht erwarten.“ Ich denke dieses Problem wird sich auch zukünftig nicht aufbrechen lassen, auch wenn es hier und da Erfolgserlebnisse gibt. Die linken Szene-Partys in den urbaneren Städten sind für viele junge Aktivist*innen attraktiver, als sich in der Prärie blicken zu lassen um dort Nazis und Rassist*innen aufzuzeigen, dass sie hier nichts zu suchen haben und dass AfD und Co. hier nichts zu melden haben. Gegrüßt seien an der Stelle alle die sich immer wieder in die Prärie begeben und dort Linke und antifaschistische Strukturen supporten, all jene die wichtige Recherchearbeit leisten und alle die sich nicht vom rechten Terror einschüchtern lassen. Aufgeben ist keine Option, stay rude, stay rebel!

Das Buch bzw. Sören gibt sich den Anspruch den Aufstieg von Pegida, die Hochphase und die Wirkung der neuen Rechten aufzeigen zu wollen. Den Anspruch erfüllt es allemal. Wie es sich in den nächsten Jahren in diesem Bereich weiter entwickeln wird, werden wir abwarten müssen. Es gilt jedoch aufmerksam und Wachsam zu sein!

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