Zum 8. Jahrestag der Villa Rosa Besetzung

Schuttliebe

Auf einem großen Haufen Schutt
Steht ein Haus
Kahl die Wände
Müde knarren die Treppen
Die Dielen stöhnen
Es ist alt
Wie das Herz das in einer Oma schlägt
Und dieses Herz schlägt auch noch
Ganz leise, kaum vernehmbar
Atmet es tief ein und aus
Ohne technische Maschinen
Die Mauersteine bröckeln
Fensterrahmen spielen mit dem Wind
Mensch hört Fussgetapfe
Stimmengeplapper
Aufhalendes Gelächter
Kerzen bringen Licht in das dunkle Innere
Zement wird gewärmt!
Das Herz bekommt etwas Liebe

Ein BesetzerInnen Gedicht, März 1990

Staatsanwaltschaft legt Berufung gegen Freispruch des Antifaschisten ein

Das Amtsgericht Frankfurt (Oder) hatte am 03.07.2006 über den Vorwurf des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte gegen einen Antifaschisten verhandelt und diesen letztendlich freigesprochen. Dem Antifaschisten war vorgeworfen worden, bei der polizeilichen Räumung eines besetzten Hauses im April letzten Jahres durch das Abstemmen mit den Beinen den Sturz einer Polizistin verursacht zu haben. Weiterlesen

Amtsgericht Frankfurt (Oder) verhandelt über Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Im April letzten Jahres besetzten AntifaschistInnen aus Frankfurt (Oder) ein von ihnen “Villa Rosa” genannten Haus in der Frankfurter Innenstadt. Nachdem die Besetzung drei Tage anhielt, kam es am Mittag des vierten Tages zu einem massiven Polizeieinsatz, in dessen Verlauf das Haus unter den Augen des herbeigerufenen Sondereinsatzkommandos geräumt wurde. Ein Besetzer weigerte sich, das Gelände selbständig zu verlassen und musste von mehreren PolizeibeamtInnen vom Grundstück getragen werden. Hierbei stürtzte eine Polizeibeamtin auf einer Treppe über die Füße des Antifaschisten und kam zu Fall. Obwohl sich der Antifaschist rein passiv verhielt, wurde gegen ihn ein Verfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin einen Strafbefehl in Höhe von 90 Tagessätzen gegen den Antifaschisten. Die zuständige Richterin am Amtsgericht in Frankfurt (Oder) wollte sich dem jedoch nicht anschließen. Ein Video der Polizei, auf dem die Szene festgehalten ist, belegt die Passivität des Antifaschisten. Der ehemalige Militärstaatsanwalt wollte von seinem beantragten Strafbefehl jedoch nicht abweichen. Die Richterin beraumte nun zur Klärung des Vorwurfs die Hauptverhandlung gegen den Antifaschisten an.

Die Verhandlung findet am 03.07.2006 um 13.15 Uhr im Amtsgericht Frankfurt (Oder), Saal 202, statt.

Das Haus der Träume – Der Traum vom Haus

(Blogbeitrag von Mathias Richel bei Zeit Online) Ich war 19 Jahre alt, als ich meine Heimatstadt verließ. So wie es schon viele Jugendliche meines Alters vor mir taten. Von meiner Abiturklasse wohnen nur noch zwei Mitschüler in der Grenzstadt – meinem Frankfurt (Oder).

Es ist die Mischung aus Perspektivlosigkeit, Enttäuschung und Resignation, die so viele in die Flucht schlägt, denn vor allem drei Schlagworte verbindet man mit der Stadt: Arbeitslosigkeit, Chip-Fabrik und Neonazis. Nicht gerade Attribute, mit denen man sich gern schmückt. Dass Frankfurt mehr zu bieten hat, bemerkt dann der Besucher auch recht schnell. Die Innenstadt hat eine Grundsanierung erfahren und braucht sich mit diesem neuem Outfit nun wirklich nicht zu verstecken. Ganz zu schweigen von der Europa-Universität, die sich zu Recht einen hervorragenden Ruf erkämpft hat. Ein riesiges Potenzial, doch der Aufschwung Ost ist immer noch der meist zitierte Traum in der Region. Weiterlesen

Presseerklärung des Besetzerinnenkollektives

Das Haus in der Rosa-Luxembergstraße, Ecke Wieckestraße, wurde vorgestern, am 26.04.05, durch Einsatzkräfte der Polizei des Landes Brandenburg geräumt. Der Polizeieinsatz, der kurz vor 13 Uhr begann, war einer der größten und kostenintensivsten der jüngeren Frankfurter Stadtgeschichte. Rund dreißig Polizeifahrzeuge der Bereitschaftspolizei und aus dem Poilzeipräsidium Frankfurt( Oder) sperrten das Gebiet um die besetzte Villa weiträumig ab. Ein riesiges Aufgebot behelmter und gepanzerter Polizisten begann sich daraufhin auf dem Hof vor der Villa rund um das Gebäude zu postieren. Dabei zeigten sich die Beamten der Bereitschaftspolizei nicht eben freundlich. Der Journalist Kamil M. zum Beispiel wurde angeschrien, bedroht und kurzzeitig am Filmen gehindert. Andere Besucherinnen wurden gezwungen sich mit dem Gesicht an die Wand zu stellen. Während dessen bereiteten sich Mitglieder des Sonder-Einsatz-Kommandos, kurz SEK, auf den Sturm des Hauses vor. Die Szenerie muss auf die zahlreichen Zuschauer der Polizeiaktion martialisch und beängstigend gewirkt haben: da machten sich dunkel gekleidete und vermummte Gestalten, welche mit Schrotflinten und Maschinenpistolen bewaffnet waren, bereit für einen gewaltätigen Angriff auf 14 friedfertige Jugendliche im Alter von 18- 22 Jahren. Der Einsatz der Antiterrortruppe wurde von Poilzeisprecher Detlef Lüben damit begründet ,dass Anwohner bemerkt hätten wie Steine in das Haus getragen wurden. Diese Behauptung entspricht der Wahrheit. Es handelte sich dabei nachweislich um Mauersteine, die zur Errichtung provisorischer Tische benutzt worden waren. Nach unserem Wissensstand erfüllt der Besitz von Baumaterialien weder nach Landes- noch nach Bundesrecht einen Straftatbestand. Zu keinem Zeitpunkt erwogen die Besetzerinnen die Verteidigung der Villa mit gewaltätigen Mitteln. Bis zum Beginn der Polizeiaktion stand außerdem jedem interresierten Menschen die Tür zu dem von uns angestrebten sozialen Zentrum offen, da wäre Raum für Fragen und Diskusionen gewesen, der seitens der Stadt und des Landes jedoch weitesgehend ungenutzt blieb. Einige Kommunal- und Landespolitiker, darunter Katja Wolle und Frank Hammer, sahen sich im Haus um und überzeugten sich von den gemeinnützigen und friedlichen Absichten der Besetzerinnen. Nach Beendigung der Räumung wurden dann alle Aktivistinnen in Gewahrsam genommen und ins Polizeipräsidium in der Nuhnenstraße überführt. Dort wurden sie gegen ihren Willen erkennungsdienstlich behandelt und Leibesvisitationen unterzogen. Infolge dessen wurde ihnen eröffnet, dass sie Anzeigen wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und illegalem Abzapfen von Wasser und Strom erhalten werden. Die letzten Gefangenen wurden dann gegen 20 Uhr aus dem Gewahrsam entlassen. Weiterlesen