Rezension: „Deutschland deine Nazis“ von Sören Kohlhuber

kohlhuber_buchMit „Deutschland deine Nazis“ bringt der gute Sören ein Erstlingswerk auf den Markt, zu Beginn beschreibt er sein Vorhaben als „Nazidemo Hopping“ ähnlich dem Groundhopping beim Fußball. Sein Ziel war es im Jahr 2014 in jedem Bundesland der Republik einen Naziauflauf als Journalist zu begleiten. So ganz geht der Plan nicht auf, da es in einigen Bundesländern u.a. Hamburg keine Aufmärsche gab.

Sören beschreibt seine Besuche bei 18. Naziaufmärsche in 8. Bundesländern, unter den Berichten sind sowohl groß Events z.B. Magdeburg im Januar, der TddZ in Dresden, eine „Rückkehr“ ins Bayrische Wunsiedel, sowie diverse Aufläufe in Berlin, fast alle Brandenburger Aufmärsche in 2014 aber auch in Mecklenburg war er unterwegs. Der eingangs beschriebene Vergleich mit dem Groundhopping kommt auch in inhaltlich im Buch zu tragen. Sören legt (explizit) kein Fachbuch zu Neo Nazis etc. vor, viel eher gleicht es einem Fanzine mit Spielberichten, welches sich hauptsächlich an Freunde und Bekannte sowie Interessierte richtet oder eben an alle „die sich täglich den Neonazis entgegenstellen. Die sich der Gefahr von Repression und Verletzungen aussetzen, um Aufmärsche, die fast wöchentlich stattfinden, zu verhindern.“

In seine Berichten geht Sören immer auf die Situation Vorort ein, beschreibt die Bedeutung des Naziaufmarschs, tut aber auch etwas für die allgemein Bildung der Leser*innen in dem er meist mit historischen Fakten zum Orten des Geschehens die Berichte einleitet. Er schildert welche und wie viele Nazis anwesend sind und welche Protestformen dem Aufmarsch entgegen gesetzt werden und beschreibt das handeln der Polizei, welche ständig die Pressearbeit einschränkt oder Behindert.

Viele seiner Touren hab ich auf Twitter verfolgt, auf vier Demonstrationen hab ich ihn getroffen bzw. vom anderen Ende des Hamburgergitter oder der Bullenkette gesehen. Ich finde die Arbeit die er und andere Journalist*innen Woche für Woche am Rande von Naziaufmärschen machen sehr wichtig und ziehe den Hut davor, da sie sich ständig in Gefahr begeben und immer damit rechnen müssen von Nazis angegangen zu werden. Ihr Beitrag ist ein wichtiger Teil zur lokalen Recherchearbeit um Nazistrukturen aufzudecken und Personelle Strukturen zu entlarven. Das Buch an sich steht exemplarisch für die Arbeit von Journalist*innen die sich regelmäßig Naziaufmärsche rein ziehen um darüber aufzuklären, unbedingte Leseempfehlung.

Erhältlich ist das Buch als ebook hier.

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