Brieskow-Finkenheerd: „Besorgte Bürger*innen“ beklatschen Nazis

Auf dem Parkplatz der Turnhalle in Brieskow-Finkenheerd versammelten sich heute ca. 80 Menschen, um der Hetze gegen Geflüchtete zu lauschen. Ca. ein Drittel waren angereiste Nazis, der Rest „besorgte Bürger*innen“ aus dem Dorf. Hintergrund ist die bevorstehende Unterbringung von 13 Geflüchteten in drei Wohnungen.

Anmelder und erster Redner Björn Brusak betonte, dies sei keine Nazi-Veranstaltung. Er habe sie als Einwohner des Dorfes privat angemeldet und ohne Unterstützung aus NPD-Kreisen organisiert. Er sei acht Jahre lang Angehöriger der Bundeswehr gewesen und in Afghanistan verletzt worden. Zurück in der Heimat sei er von dem Staat im Stich gelassen worden, der statt seiner Kriegsopfer nur „Asylbetrüger“ unterstützen würde. Wohlwollend nahm Björn Brusak zur Kenntnis, dass auch Bürgermeister Frank Richter auf seiner Versammlung sprechen wollte, aber leider durch Krankheit verhindert sei.

Zweite Rednerin der Nicht-NPD-Veranstaltung war „die Manuela“. Das Publikum erfuhr nicht, dass es Manuela Kokott war, die für die NPD bis 2014 im Kreistag LOS saß und aktuell in der Gemeindevertretung Spreenhagen. Sie beklagte die angeblich ausufernde Kriminalität, die durch die „Asylflut“ ausgelöst würde. Wer das thematisiere, sei weder Nazi noch rassistisch. Die anfänglich zurückhaltenden „besorgten Bürger*innen“ klatschten mehrheitlich.

Dritter Redner der Nicht-NPD-Veranstaltung war NPD-Landeschef Klaus Beier. Er gab sich immerhin als NPD-Vertreter zu erkennen. Inhaltlich war seine Rede ein Abklatsch der Vorredner*innen. Hetze gegen Asylbewerber*innen und Menschen, die sie unterstützen, war der Hauptinhalt seiner Rede.

Gegenprotest am Ort des Geschehens gab es nicht. Die wenigen erkennbaren Nazi-Gegner*innen wurden von Beauftragten des Veranstalters abgefilmt.

Hundert Meter weiter feierte eine etwa gleich große Gruppe im Garten der Luther-Kirche ein Integrationsfest mit Gottesdienst. Gast war u.a. Landesminister Jörg Vogelsänger.
Nach Abschluss der Nazi-Kundgebung tauchten einige Teilnehmer*innen dort auf und filmten wiederum Nazigegner*innen ab.

Der Riss in Brieskow-Finkenherd geht durch viele Familien. Während sich die Enkelin für Geflüchtete engagiert, jubelt die Oma den Nazis zu. Ein älterer Herr äußerte, sein verstorbener Vater, der für Hitler in den Krieg ziehen musste, hätte den neuen Nazis kräftig den Hosenboden versohlt. Beängstigend viele Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr beklatschten die Nazis.

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