Bericht aus Freital (Sachsen) vom 26.6.15

Gestern versammelten sich etwa 600 Flüchtlingsunterstützer_innen vor dem Asylsuchendenheim in Freital, um Solidarität mit den Geflüchteten zu zeigen und das Heim vor rechten Übergriffen zu schützen. Es war damit bisher die größte Solidaritätskundgebung vor dem Heim. Auf der anderen Seite der diesmal deutlich weiträumerigeren Polizeisperre fanden sich allerdings auch 200-300 Rassist_innen ein, darunter auch autonome Nationalisten und Hooligans. Der Anmelder der Nazidemo, UFO-Anwalt Lorek, sprach später von 342 „handgezählten“ Teilnehmern.

Auf der Kundgebung der Organisation für Weltoffenheit und Toleranz Freital und Umgebung war die Stimmung wie immer gut. Unterstützer_innen brachten den Geflüchteten Sachspenden mit, unterhielten sich mit ihnen und aßen gemeinsam. Höhepunkt des Abends war aber sicherlich der Auftritt der Antilopen Gang, die sich tags zuvor spontan entschlossen hatten, die Freitaler Aktivist_innen mit einem Solidaritätskonzert zu unterstützen. Um diese tolle Chance nicht verstreichen lassen zu müssen, gab es bei der Organisation des Konzerts tatkräftige Unterstützung des Netzwerks Dresden für alle und unseres Bündnisses Dresden Nazifrei.

Danke an alle Menschen im Hintergrund für die tolle Organisation und danke an die Antilopen für ihren Einsatz für die Geflüchteten und gegen Menschenverachtung!
Bei den Nazis war die Stimmung wohl eher schlecht. Zu Beginn versuchte man sich noch an Sprechchören, von denen aufgrund mangelnder Akustik, Koordination und dialektischer Einfärbung aber zumeist nur unverständliche Satzfetzen herüberwehten. Als die Antilopen spielten, hörte man von ihnen ohnehin nichts mehr, und auch danach blieben sie verhältnismäßig still. Während der Nazidemo kam es zu mehreren Personalienfeststellungen wegen Zeigen des Hitlergrußes. Zwei Nazis wurden festgenommen, als sie einen ihrer eigenen Ordner bedrohten. Zudem soll es zu Ingewahrsamnahmen nach Böllerwürfen an der Rückseite des Heimes, mutmaßlich ausgeführt durch herumvagabundierende Nazikleingruppen, gekommen sein.

Nach Ende des Konzerts gegen 21:30 Uhr verließen viele Menschen in kleineren und größeren Gruppen die Unterstützer_innen-Kundgebung, um nach Hause zu fahren. Gegen 22:00 Uhr wurde auch die Nazidemo aufgelöst. Die Nazidemo setzte sich daraufhin als großer Block in Bewegung und lief in den Bereich des unteren Treppenaufgangs zum Heim und des Toom-Baumarktes, wo sie pöbelnd und teilweise randalierend verharrten. Einige Nazis versuchten zudem, die Treppe zum Heim zu stürmen und so zu den Flüchtlingsunterstützer_innen zu gelangen, wurden aber von der Polizei aufgehalten.
Nachdem die Nazimenge von der Polizei, teilweise auch durch Einsatz von Pfefferspray, abgedrängt wurde und schließlich nach Hause ging, wurden Polizeieskorten für die verbliebenden Unterstützer_innen gestellt, um sie zum Zug bzw. zu ihren Autos zu bringen. Die anschließende Heimreise verlief ruhig. Wie üblich wurde auch wieder eine Mahnwache vor Ort angemeldet und es blieben Menschen über Nacht, um das Heim zu schützen.

Im Laufe des Abends gab es auf Unterstützer_innen-Seite einen Verletzten, einen Unterstützer aus Leipzig, der von einem mit CS-Gas gefüllten Behälter am Kopf getroffen wurde. Wir wünschen ihm gute Besserung! Ansonsten sind uns keine Übergriffe bekannt geworden.

Wir danken allen Menschen, die gestern in Freital gegen den rassistischen Mob auf die Straße gegangen sind! Um noch einmal einen Tagesschau-Kommentar zu zitieren: Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Hoyerswerda 1991 und Freital 2015: In Freital gibt es Gegendemonstrant_innen. Und das ist auch gut so.

Nach unserem aktuellen Kenntnisstand gibt es für heute abend keine Kundgebungsanmeldung. Es sind aber Menschen vor Ort, die aufpassen und uns bei etwaigen Vorfällen informieren können. Unabhängig von der Anmeldung steht es euch natürlich ohnehin jederzeit frei, zum Heim zu fahren, um den Geflüchteten Spenden zu bringen oder einfach nur Zeit mit ihnen zu verbringen und ihnen eure Solidarität zu zeigen.

‪#‎RefugeesWelcome‬

via Dresden Nazifrei

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