HoGeSa: Mit rassistischer und islamophober Hetze gegen Salafismus

Gegen den IS und deren salafistische Unterstützer hier in Deutschland regt sich Protest, doch nicht nur emanzipatorische und antifaschistische Kräfte machen gegen religiöse Fanatiker die den Salafismus und als Deckmantel nutzen mobil. Neonazis, Rechtspopulisten und Rassisten nutzen die berechtigte Wut gegen die fanatischen Salafisten gezielt, um ihre Ideologie zu verbreiten. Mehrere tausend Hooligans zogen am Samstag deshalb durch Köln. Zum Auftakt der Versammlung spielte die Nazi-Hooligan-Band Kategorie C. Mit Beginn der Demo zeigt sich, was viele im Vorfeld erwartet hatten: Ein riesiger Naziaufmarsch in Köln! „Hier marschiert der nationale Widerstand“, schallt es durch die Kölner Innenstadt. Mit über 3000 Teilnehmer_innen war es die größte Neonazidemonstration in Westdeutschland seit vielen Jahren.

Eine Demonstration, an der Neonazis der Partei „Die Rechte“ teilnehmen, bei der Leute den Hitler-Gruß zeigen, bei der ein Mob „Deutschland den Deutschen. Ausländer raus“ und “Nationaler Sozialismus jetzt” skandiert wurde. Eine Demo auf der ein Typ war, der sich das Tor des KZ-Buchenwald auf den Schädel tätowieren hat.

Unpolitische Hooligans?

Vor der Veranstaltung in Köln distanzierten sich die Veranstalter offiziell von Neonazis, um auch vermeintlich unpolitische Hooligans und Fußballfans zu ihren Veranstaltungen zu mobilisieren. Doch Köln zeigte ein mal mehr deutlich, es gibt zahlreiche personelle und inhaltliche Überschneidungen zwischen Hooligan und Neonazi-Szene. Bereits vor einigen Wochen gab es ein Treffen von „HoGeSa“ in Dortmund mit über 300 Teilnehmern. Viele Teilnehmer*innen trugen auch dort rechte Szenemarken oder einschlägige Aufdrucke. An der Aktion beteiligten sich auch rund zwei Dutzend Dortmunder Neonazis, unter ihnen die “Die Rechte”-Funktionäre Michael Brück und Siegfried “SS-Siggi” Borchardt, welche auch in Köln anwesend waren. Weitere bekannte Neonazis aus NRW mischten sich bei neiden Veranstaltungen unter die Versammlung und führten sie faktisch an. Als einer der Organisatoren der Versammlung trat der extrem rechte “Pro NRW”-Funktionär Dominik Roeseler in Erscheinung.
Eine „HoGeSa“-Demonstration in Frankfurt am Main am 11.10.2014 wurde ebenfalls von Neonazis und NPD-Funktionären organisiert. Gerufen wurden dabei die von Nazidemonstrationen bekannten Sprechchöre wie „Frei, sozial und national“ oder „Hier marschiert der nationale Widerstand“.

Die „HoGeSa“-Bewegung nutzt die aktuelle politische Situation, in der die salafistische Organisation „Islamische Staat“ im Fokus der Aufmerksamkeit steht und sich alle irgendwie unter dem Banner „gegen Salafismus“ vereinigen lassen – nur dass die Organisatoren der Demonstration nicht das im Sinne hatten, sondern vor allem rassistische und islamophobe Hetze verbreiten wollten. Die Absicht ist, ganze Bevölkerungsgruppen rassistisch motiviert pauschal zu kriminalisieren und sich auch an bereits bestehende kriminalisierende Debatten und Konstruktionen der herrschenden Politik anzudocken.

Die Überraschung der Öffentlichkeit

Seit Jahren warnen verschieden Gruppen davor, dass Althools (die teilweise gar nicht mehr ins Stadion gehen oder dort nicht weiter auffällig werden) nach wie vor in vielen Vereine eine Rolle als „Braune Eminenzen“ (Zitat: Fanzine „Ballesterer“) spielen. Sei es als Vorbilder für den Nachwuchs, sei es als reale Bedrohung für anti-rassistische Fußballfans und Ultras. An den meisten Orten pflegen sie beste Verbindungen zur lokalen Neonazi-Szene oder sind elementarer Bestandteil derselben. Die Vorfälle, die sich in den letzten Monaten und Jahren in Aachen, Braunschweig, Duisburg, Düsseldorf und vielen anderen Städten abgespielt haben stehen nur symbolisch dafür, dass es in vielen Fanszenen nach wie vor brodelt und jugendliche Fans bzw. Ultras sich in einigen Städten einer stets vorhandenen latenten Bedrohung durch rechte Hooligans ausgesetzt sehen.

Überraschend darf allerdings die Anzahl der Demonstranten und der Fakt, dass dem Aufruf der in fußballkreisen weniger bekannten Organisatoren, auch durchaus einflussreiche Personen des rechten Hooliganszene mit ihren Gruppen folgten. Dies ist im Vergleich zur Veranstaltung in Dortmund eine neue Qualität. Doch auch dass Althools diverser Vereine seit vielen Jahren miteinander vernetzt sind, sollte für Interessierte keine Überraschung sein. Wer sich über Jahre etwa bei deutschen Länderspielen „für sein Land“ gerade macht, kennt sich, respektiert sich und schätzt sich. Seit Jahren pflegen Führungspersönlichkeiten aus diesen Gruppen persönliche Freundschaften über die Vereinsgrenzen hinweg. Nicht selten geht man ähnlichen politischen Interessen nach.

„HoGeSa“ eine Einzelfall?

In einigen Blogs wird die „HoGeSa“ als Rückkehr der alt Hools betitelt, soweit würde ich nicht gehen, es war eher ein weiteres Lebenszeichen hervorgerufen durch ein scheinbar neues Feindbild, gibt es doch bei brisanten Länderspielen seit den 70’ger Jahren immer wieder Ausschreitungen. Den Nazis, Hools und ihren Freunden scheint es jedoch kaum gelungen zu sein, Nachwuchs auf die Demonstration zu locken. Das Durchschnittsalter dürfte locker bei etwa Mitte 30 gelegen haben, die einzigen jüngeren Fans kamen aus Fanszenen, die in der Vergangenheit immer wieder gezeigt hat welchen Geistes Kind sie sind. Aachen sei hier Beispielhaft genannt.

Schaut man jedoch in den Osten des Landes so dürfte hier die „HoGeSa“ ebenfalls großen Zulauf erfahren, gibt es doch in Sachsen und Sachsen Anhalt seit Jahren Überschneidungen in der Hooligan und Naziszene. In Dresden z.B. mobilisiert z.B. eine Gruppe namens “Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes” unter dem Motto “gewaltfrei gegen Glaubens- & Stellvertreterkriege auf deutschem Boden” zu sogenannten Montagdemos an die Frauenkirche.

Diesem Aufruf folgten 300-350 Personen, vor allem aus dem rechten Hooligan-Umfeld von Dynamo Dresden, wobei auf eindeutige Nazisymbolik verzichtet wurde. Vorbild dafür könnten Demonstrationen von „HoGeSa“ sein.
Am Rande dieser Veranstaltung kam es zu mehreren Angriffen von „friedlichen“ Teilnehmer_innen auf Gegendemonstrant_innen. Auf dem Blog der Dresdner Linken ist von “regelrechten Verfolgungsjagden” die Rede.

Wie weiter in der Debatte?

Eines der generellen Probleme ist aus linker Sicht der Ausgleichsversuch. Wir können nicht gegen Nazis und Rassisten mobilisieren ohne den umstrittenen „Salafistenbegriff“ zu benutzen, um der „guten Sache“ willen?. Mensch kann und sollte gegen religiöse Fanatiker auftreten, ohne auf die staatstragenden Begriffe und Vergleiche sowie die Reduzierung von Religionskritik auf Muslim_innen abzuheben. Salafisten mag ich auch nicht, trotzdem sind sie nicht alle automatisch Terroristen und so genannte „Extremisten“ oder gleich der IS. Es ist schwierig, hier differenziert zu bleiben. Zumal diese Nazis und Rassisten „den Islam“ und den „Salafismus“ ausschließlich als Deckmantel für Rassismus gegen alle Muslimm_innen und „Fremde“ benutzen.

Was der Debatte eigentlich fehlt, ist eine umfassende Religionskritik in einer Gesellschafts- bzw. Systemanaylse. Christliche Werte und Abendland vs. Muslim_innen etc. Es geht um Macht- und Herrschaftsinteressen wobei Religionen dann auch missbraucht werden. Was passierte in der Geschichte nicht alles im Namen von Religionen? Wie ist das mit der Interpretation und wie sehen die vielfältigen Lebensrealitäten von religösen Menschen aus. etc.

Fazit

Dieser Sonntag in Köln zeigt sehr klar, dass es sich bei der „HoGeSa“ nicht um eine Gruppe handelt, die sich dem Kampf gegen ISIS und den Salafismus verschrieben hat. Vielmehr hat die rechte Szene in Deutschland eine neue Plattform gefunden, in der sie ihre menschenverachtenden Ideen in die Öffentlichkeit tragen kann. Das Wort „Salafist“ dient hier nur als Tarnung und kann getrost durch alle Nazi-Feindbilder ersetzt werden. Bei „HoGeSa“ handelt es sich um den seit langem größten Versuch von Neonazis, innerhalb der Hooligan- und Fußball-Fanszene an Einfluss zu gewinnen. Wer dort als vermeintlich unpolitischer Hooligan oder Fußballfan hingeht, geht den Vereinahmungsversuchen von Neonazis und extrem rechten Parteifunktionären auf den Leim!

Das Thema Salafismus dient ihnen als Aufhänger, um ihren menschenverachtenden Rassismus zu propagieren. Propaganda, die sich gegen Flüchtlinge und Migranten wendet und Menschen aus islamisch geprägten Ländern und Kulturkreisen unter den Generalverdacht des Terrorismus stellt.

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