Die AfD im Brandenburger Landtag: Völkisches vom AfD-Abgeordneten Andreas Kalbitz

AfD- Landtagsabgeordneter Andreas Kalbitz (Screenshot: Landtag Brandenburg)

AfD- Landtagsabgeordneter Andreas Kalbitz (Screenshot: Landtag Brandenburg)

Der AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Kal­bitz hat eine bewegte poli­ti­sche Ver­gan­gen­heit im Feld zwi­schen hart rechts­kon­ser­va­ti­ven und extrem rech­ten Orga­ni­sa­tio­nen. Schon Anfang der 1990er sprach sich Kal­bitz für eine Radi­ka­li­sie­rung nach Rechts in den Uni­ons­par­teien aus. Von dort führte ihn sein poli­ti­sches Wir­ken an etli­che extrem rechte Orga­ni­sa­tio­nen und Zeit­schrif­ten heran. Als Autor schrieb Kal­bitz selbst im ein­schlä­gi­gen Duk­tus. Kal­bitz, Jahr­gang 1972, lebt in Königs Wus­ter­hau­sen und zog nach den Wah­len im Sep­tem­ber für die „Alter­na­tive für Deutsch­land“ in den Pots­da­mer Land­tag ein.

Die Zeit­schrift „Der Rechte Rand“ berich­tete in einer Aus­gabe aus dem Jahr 1995, dass Kal­bitz im „Witi­ko­bund“ wir­ken würde. Der 1950 gegrün­dete, extrem rechte, völ­ki­sche und revan­chis­ti­sche Witi­ko­bund ist nach sei­nem Selbst­ver­ständ­nis eine „natio­nale Sude­ten­deut­sche Gesin­nungs­ge­mein­schaft“ und gehört zum äußers­ten rech­ten Rand im Milieu der Ver­trie­be­nen­ver­bände. Wer ein­mal dabei ist, soll auf ewig blei­ben: Die Mit­glied­schaft ist auf Lebens­zeit ausgerichtet.

„Kampf gegen den volk­li­chen Tod„
2001 gra­tu­lierte Kal­bitz im Witikobund-eigenen Rund­schrei­ben „Witi­ko­brief“ dem extrem rech­ten „Freund­schafts– und Hilfs­werk — Ost“ (FHwO) zum zehn­jäh­ri­gen Jubi­läum. Kal­bitz lobte den Ein­satz des FHwO, weil es posi­tiv im „oft­mals aus­sichts­los schei­nen­den Kampf gegen den kul­tu­rel­len und volk­li­chen Tod auf jahr­tau­sen­de­al­tem deut­schen Kul­tur­bo­den“ wir­ken würde. Das FHwO ist unter ande­rem mit der Neo­na­zi­par­tei NPD eng ver­quickt. In einem wei­te­ren Text fragte Kal­bitz „Wo ist der Wider­stand?“ und trau­erte über die weg ster­ben­den „Kame­ra­den der Erleb­nis­ge­ne­ra­tion“. Die „Jugend von heute“ wie­derum sei Opfer eines „nie dage­we­se­nen kul­tu­rel­len Sub­stanz­ver­lusts“ und „durch Mate­ria­lis­mus und Genuß­sucht“ zu „ent­seel­ten Kon­su­men­ten“ gewor­den. In Manier der extre­men Rech­ten beklagte Kal­bitz, dass ein „Eth­no­zid am deut­schen Volk“ statt­fin­den würde — ganz so, wie der­zeit Bran­den­bur­ger Neo­na­zis vor einem „Volks­tod“ war­nen.

Autor für Neonazi-Vereinsblatt
Pas­send dazu: Zwi­schen­zeit­lich trat Kal­bitz als Autor für die Zeit­schrift „Fritz“ in Erschei­nung — dem Ver­eins­blatt der extrem rech­ten „Jun­gen Lands­mann­schaft Ost­deutsch­land“ (JLO, bis 2006: „Junge Lands­mann­schaft Ost­preu­ßen“). Die JLO war jah­re­lang für Anmel­dung und Orga­ni­sa­tion der „Trau­er­mär­sche“ in Dres­den ver­ant­wort­lich. Diese Demons­tra­tio­nen waren zeit­weise die euro­pa­weit größ­ten und bedeu­tends­ten Ver­samm­lun­gen von Alt– und Neo­na­zis. 2003, als Kal­bitz Texte bei­steu­erte, war die JLO bereits von Neo­na­zis domi­niert. In Inter­views in Neonazi-Zeitschriften aus die­ser Zeit bezeich­nen sich JLO-Funktionäre selbst als „Natio­nale Sozia­lis­ten“, nut­zen die Neonazi-Grußformel „88“ (Zeit­schrift „Das treue Mädel“) und loben die Zusam­men­ar­beit mit dem „Witi­ko­bund“ (Zeit­schrift „Die Kameradschaft“).

Ver­schwö­rungs­theo­rien als „Meis­ter­leis­tung„
In Kal­bitz’ Tex­ten für die JLO-Zeitschrift „Fritz“ bemüht die­ser erneut seine Volkstod-Analyse: Ein „Bewußt­s­eins­eth­no­zid in den Köp­fen der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Jugend“ sei zu bekla­gen und die Erin­ne­rung an NS-Verbrechen sei eine „Ver­ständ­nis­im­plan­ta­tion von 12 Jah­ren als 99% deut­scher Geschichte“. Ein Buch des fran­zö­si­schen Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kers Thierry Meys­san wird indes von Kal­bitz als „geis­tige Waffe“ und als „Meis­ter­leis­tung des inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus“ gelobt. Meys­san ver­tritt die These, dass bei den Ter­ror­an­schlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 kein Flug­zeug in die New Yor­ker Twin Towers geflo­gen sei, es han­dele sich um einen Fall von „insze­nier­tem Terrorismus“.

Schla­gende Schü­ler­ver­bin­dung und JU-Radikaler
Der gebür­tige Münch­ner Kal­bitz ist zudem „Alter Herr“ bei der in sei­ner Hei­mat­stadt ansäs­si­gen „Pen­na­len Bur­schen­schaft Saxonia-Czernowitz“, einer schla­gen­den Schü­ler­ver­bin­dung. Die Saxonia-Czernowitz hält ihre Tref­fen im Haus der Bur­schen­schaft „Danu­bia“ ab. Die Danu­bia ist bekannt für das Abhal­ten von extrem rechte Ver­an­stal­tun­gen in ihrem Anwe­sen — unter ande­rem spra­chen dort Holo­caust­leug­ner wie Horst Mah­ler und Wil­helm Stäglich.

In Kal­bitz’ Münch­ner Zeit fällt auch sein zeit­wei­li­ges Enga­ge­ment in CSU und in der „Jun­gen Union“ (JU) — er war unter ande­rem CSU-Parteitagsdelegierter und im Bezirks­ver­bands­aus­schuß der JU Mün­chen. Kal­bitz trat ent­schie­den für eine Radi­ka­li­sie­rung sei­ner dama­li­gen Par­tei nach Rechts ein. So schrieb er 1992 in einem Debat­ten­bei­trag für die neu­rechte Wochen­zei­tung „Junge Frei­heit“ ein Plä­do­yer „für einen rech­ten Auf­bruch in der CDU/CSU“: „Non­kon­for­mis­ti­sche Rechte“ müss­ten „Alt­las­ten“ in der Union „erträn­ken“ — oder aber „den ver­kom­me­nen Gefechts­stand der Union „auf­ge­ben“ und sich dann einer „unver­brauch­ten poli­ti­schen Kraft“ zuwen­den. Offen­bar war also Kal­bitz schon damals auf der Suche nach einer rech­ten „Alter­na­tive“ in der Parteienlandschaft.

Zuletzt — von 2009 bis 2014 — war Kal­bitz  Geschäfts­füh­rer des Hör­buch­ver­la­ges „Edi­tion Apol­lon“ in Königs Wus­ter­hau­sen. Der mitt­ler­weile insol­vente Ver­lag ver­öf­fent­lichte unter ande­rem einen Jah­res­ka­len­der 2011 mit Ansich­ten der Wewels­burg, die im Natio­nal­so­zia­lis­mus zu einer SS-Kultstätte umge­baut wer­den sollte.

 

Andreas Kalbitz als Autor im "Witikobrief" (Ausschnitt)

Andreas Kalbitz als Autor im „Witikobrief“ (Ausschnitt)

Andreas Kalbitz (AfD) als Autor für die "Junge Landsmannschaft Ostpreußen" 2003 (Ausschnitt)

Andreas Kalbitz (AfD) als Autor für die „Junge Landsmannschaft Ostpreußen“ 2003 (Ausschnitt)

Andreas Kalbitz (AfD) 1992 in der "Jungen Freiheit" (Ausschnitt)

Andreas Kalbitz (AfD) 1992 in der „Jungen Freiheit“ (Ausschnitt)

Andreas Kalbitz als Witikone (Faksimile aus "Der Rechte Rand")

Andreas Kalbitz als Witikone (Faksimile aus „Der Rechte Rand“)

Wewelsburg-Kalender aus dem Verlag von Andreas Kalbitz (Screenshot Amazon.com)

Wewelsburg-Kalender aus dem Verlag von Andreas Kalbitz (Screenshot Amazon.com)

JLO-Interview in Neonazi-Zeitschrift "Die Kameradschaft" (Faksimile)

JLO-Interview in Neonazi-Zeitschrift „Die Kameradschaft“ (Faksimile)

Interview mit JLO-Funktionär in Neonazizeitschrift von 2001 (Faksimile)

Interview mit JLO-Funktionär in Neonazizeitschrift von 2001 (Faksimile)

Quelle inforiot.de

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