Zum 70. Jahrestag der Ermordung von Käthe Niederkirchner

Aus dem Leben von Käthe Niederkirchner
 
Käthe Niederkirchner wurde am 7. Oktober 1909 als eines von fünf Kindern des aus Ungarn zuge-wanderten Gewerkschafters Michael Niederkirchner und einer slowakischen Landarbeiterin geboren. Schon früh war sie politisch aktiv. 1925, mit 16 Jahren, trat sie dem Kommunistischen Jugend-verband Deutschlands und 1929 schließlich der KPD bei. Auf Wunsch ihres Vaters absolvierte sie eine Schneiderlehre, war in der Folge jedoch zumeist arbeitslos. Die Zeit nutzte sie für intensive Parteiarbeit und die eigene Weiterbildung. Sie nahm Kurse an der berühmten Marxistischen Arbeiterschule MASCH, lernte Stenografie und Fremdsprachen.

 
Im November 1932 wurde sie infolge ihrer Betätigung während des Berliner BVG-Streiks verhaftet und im Frühjahr 1933 von der Naziregierung aufgrund ihrer vom Vater erworbenen ungarischen Staatsbürgerschaft aus Deutschland ausgewiesen. Sie emigrierte, ihrer Familie folgend, in die Sowjetunion.
Dort studierte sie und arbeitete als Sprecherin für Radio Moskau. Zudem lernte sie dort Heinrich Wieland kennen, den sie 1941 heiratete. Währenddessen wurde ihr Bruder Paul 1939 vom sowje-tischen Geheimdienst verhaftet und starb im Moskauer Butyrka-Gefängnis. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion meldete sie sich freiwillig bei der Roten Armee, um den Widerstand in Deutschland zu unterstützen.
 
Sie bekam den Auftrag, mit einem Fallschirm über deutschem Territorium abzuspringen und in Berlin mit illegalen Widerstandsgruppen Kontakt aufzunehmen. Zusammen mit Theodor Winter, dem Schwiegersohn von Wilhelm Pieck, wurde sie an ihrem 34. Geburtstag von einem sowjetischen Flugzeug über dem von Deutschland besetzten Polen abgesetzt. Vom nächsten Bahnhof aus wollten sie mit dem Zug nach Berlin gelangen. Während der Fahrt wurden sie von der Gestapo aufgegriffen, verhaftet und unter Folter verhört.
 
In der Folge wurde Käthe Niederkirchner in verschiedensten Gefängnissen interniert und immer wieder unter Folter verhört. Aus Angst, jemanden zu belasten, unternahm sie einen Selbstmordversuch, den sie jedoch überlebte. Schließlich wurde sie im Mai 1944 in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück verschleppt, wo sie in Isolationshaft, im „Bunker“, auf die Vollstreckung des Todesurteils warten musste.
In der Nacht vom 27. auf den 28. September 1944 wurde Kähe Niederkirchner von einem SS-Mann erschossen.
 
Im Prenzlauer Berg wurde Käthe Niederkirchner am 4. September 1974 mit einem Straßennamen und am 25. September 1989 mit einer Gedenktafel vor dem Wohnhaus ihrer Familie in der Pappelallee 22 geehrt. Eine Büste steht seit dem 28. September 2009 in der Wandelhalle des Abgeordnetenhauses von Berlin, das sich in der am 10. Mai 1951 nach ihr benannten Niederkirchnerstr. 5 befindet (sie hieß bis dahin Prinz-Albrecht-Straße und war in der Nazizeit wegen der dort befindlichen Zentrale der Gestapo und ihrem Folterkeller berüchtigt).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s