Bericht: Stop Deportation Camp 26.08-01.09.2014 in Eisenhüttenstadt

Ein subjektiver Bericht über die Zeit auf dem Camp. In der ZAST in Eisenhüttenstadt leben zur Zeit 850 Menschen, die von hier aus den umliegenden Lagern in Brandenburg zugewiesen werden. Daneben der Abschiebeknast, mehrfach eingezäunt, mit Stacheldraht, Kameras auf dem Gelände und an den Zäunen, Wärterhäuschen und patroullierende Bullen.
Kinder spielen auf den Wiesen zwischen vermutlich unerträglich aufgeheitzten Wohncontainern, mit Blick durch die Zäune auf die vergitterten Gefängnisfenster.
Es läuft einem ein Schauer über den Rücken beim Blick durch den Zaun, von außen, ohne zu wissen wie es ist, so leben zu müssen.
Die Chronik von lagerwatcheisen.blogsport.eu spricht von mindestens 23 Fällen, in denen sich Geflüchtete hier selbst verletzt haben, mehrere versuchten sich umzubringen und überlebten schwer verletzt, oft ohne Zugang zu einer notwendigen medizinischen und psychologischen Betreuung.
Dazu kommen zahlreiche Neonaziangriffe, Abschiebeverfahren, Hungerstreiks, Anschläge, Bullenschikanen und widerliche Praktiken der Sicherheitsfirma BOSS.

Schon bevor die Ortgrenze überfahren wurde, grinsten einem von weitem die widerlich aufgedunsenen Fratzen von Klaus Beier (NPD Spitzenkandidat) und Alexander Gauland (AfD) von geradezu jeder einzelnen Laternenstange entgegen. Nur 2 Meter über dem Boden hängen die Massen an rechten Wahlplakaten voller Hetze gegen Asylsuchende, in Gewissheit, dass sie niemand in dieser Stadt so schnell herunterreissen wird.
Egal ob der Blick links oder rechts der Hauptstraße verweilt, weit und breit nur aneinander geklebte mehrstöckige Plattenbauten. Auf den Straßen auch tagsüber kaum eine Menschenseele in Sicht. Es findet sich kein einziger Hinweis auf den Versuch, möglicherweise zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Aufbau der „Stalinstadt“ in den 50ern, Leben in diesem Ort entstehen zu lassen.
Das einsetzende Gefühl an einem Ort gelandet zu sein, der allein durch seine Athmosphäre auf den Strassen nach Regenwetter und gefühlosen Bewohnenden schreit, wurde bis zum Ende nicht aufgehoben.

Nach einer Mobi-Biketour durch die Lager im Umland, wurde in Eisenhüttenstadt für eine knappe Woche ein Stop-Deportation-Camp in der Nähe der Zentralen Erstaufnahmestelle für Asylbewerber_innen (ZAST) und in einem weiter entfernt gelegenen Ort (da es natürlich die Auflagen der Bullen nicht erlaubten, vor dem Heim über Nacht zu zelten) aufgestellt.
Ziel sollte es vor allem sein, den Menschen im Heim und wenn möglich auch im Abschiebeknast den Zugang zu Informationen und Anlaufstellen zu eröffnen, ihnen juristische Hilfe zukommen zu lassen und ihnen zu zeigen, dass sie nicht isoliert sind, an diesem braun-grauen Ort.
Doch vor allem der letzte Punkt ist Ausdruck einer Hoffnung, die unter diesen Verhältnissen und an diesem Ort nicht erfüllt werden kann: die Worte Isolation und Ghettoisierung, Knast und die geografische und durch Diskurse produzierte Trennung der Asylsuchenden von den Eisenhüttener Anwohnenden, prägen die einschüchternde und triste Realität der Geflüchteten, die hier überwiegend auf ihre Papiere warten. Oft auf ein Urteil, das in dieser Stadt schon in 10 Minuten gefällt wird, von einer Amtsrichterin, der das Leben der Menschen wohl so nahe geht, wie der Gedanke an Solidarität oder Freiheit.

Im ZAST leben gerade 850 Menschen, die von hier aus den umliegenden Lagern in Brandenburg zugewiesen werden. Daneben der Abschiebeknast, mehrfach eingezäunt, mit Stacheldraht, Kameras auf dem Gelände und an den Zäunen, Wärterhäuschen und patroullierende Bullen.
Kinder spielen auf den Wiesen zwischen vermutlich unerträglich aufgeheitzten Wohncontainern, mit Blick durch die Zäune auf die vergitterten Gefängnisfenster.
Es läuft einem ein Schauer über den Rücken beim Blick durch den Zaun, von außen, ohne zu wissen wie es ist, so leben zu müssen.

Die Chronik von lagerwatcheisen.blogsport.eu spricht von mindestens 23 Fällen, in denen sich Geflüchtete hier selbst verletzt haben, mehrere versuchten sich umzubringen und überlebten schwer verletzt, oft ohne Zugang zu einer notwendigen medizinischen und psychologischen Betreuung.
Dazu kommen zahlreiche Neonaziangriffe, Abschiebeverfahren, Hungerstreiks, Anschläge, Bullenschikanen und widerliche Praktiken der Sicherheitsfirma BOS.

Frank Nürnberger, der Leiter des ZAST oder die Amtsrichterin (die in ihrer Urteilsverkündung von „Asyltouristen“ und einem „Heer der Illegalen“ spricht) sind nur direkt Verantwortliche mit Namen, in einer offen rassistischen Masse der Bewohnenden von Eisenhüttenstadt, die mit ihrer menschenverachtenden Hetze gegen Geflüchtete nicht davor zurück schrecken, diese bis in den Tod zu treiben (Ende Mai 2013 erhängte sich ein Asylbewerber im Knast).

Eine kurze Recherche über die rechten Strukturen der Umgebung und jedes Vorurteil über das braune Brandeburg seit den 90ern findet in dieser Region seine erschreckenden Beispiele.
Eines der Grausamsten lässt sich auf der Seite der Gruppe „RE: Guben“ nachlesen. Die Gruppe hat auf diesen Seiten die Ereignisse der Nacht um den 12./13. Februar 1999 aufgearbeitet. Die Nacht als im Nachbarort Guben, Farid Guendoul von Faschos zu Tode gehetzt wurde.
Einer der verurteilten Täter, Alexander Bode ist heute immer noch ein ortsbekannter NPD-Funktionär.

Seit Ende März 2014 gibt es eine Facebook Initiative, die das Ziel propagiert mit 50 auserwählten Aktivbürger_innen eine „Bürgerwehr Eisenhüttenstadt“ aufzubauen, welche dann neben den örtlichen – wie überall – gleichgesinnten Bulleneinheiten patroullieren könnte.
Mitinitiator_innen sind altbekannte Neonazis der aufgelösten „Autonomen Nationalisten-Oder Spree“, rasisstische Anwohnende, NPD-Kader_innen und auch Lokalpolitiker wie der CDU’ler Michael Werner Nickel oder von der SPD Lars Wendland.
Sie fordern in ihren stumpfen und aufreisserischen Einträgen, in ihren Augen Verdächtige wie „Ausländer“, „Alkoholiker“, „Zigeuner“ und „Drogenabhängige“, wenn es nach ihnen ginge, mit der Waffe zu kontrollieren und einzuschüchtern.

Es wäre nicht richtig zu sagen, dass das Camp in das viel zu stark umworbene Konstrukt „Sommerloch“ gefallen ist.
Ja, es waren viel zu wenig Menschen vor Ort, es wäre schön gewesen mehr Workshops anbieten zu können, Ideen zu sammeln, wie die Zäune überwunden werden können oder wenigstens eine Menschenmasse zu stellen, die eine Demo auch ohne Anmeldung durchgesetzt hätte. Es wäre notwendig gewesen den Fascho Corsos, die nachts um die Wiese schlichen, etwas entgegen zu setzen.
Genauso wie den Bullen vor Ort klar zu machen, dass sie so lächerlich und ungelenk wirkten auf ihren „Verfolgungstouren“ und bei ihren dreisten Ansprachen gegenüber der Anmelderin, dass wir sie wie immer nicht ernst nehmen konnten.

Aber auf der anderen Seite sind wir in keinem Sommerloch, ganz im Gegenteil, es wird gerade an allen Ecken gekämpft und organisiert, ob in Calais, neben dem GÜZ, in Val de Sousa, in Hellersdorf oder der Gürtelstraße. Lassen wir uns nicht einreden, die Szene sei eingeschlafen und „Kampf“ sei ein Begriff, der allein den 70ern und 80ern noch anhaften darf.
Die Menschen, die nachts auf der Wiese zusammen zu Bollywood und Techno getanzt haben, so ausgelassen, wie ich es auf keinem Floor der Fusion je beobachten konnte, haben gezeigt, dass der Mut, die Kraft und die Träume dafür, weiter zu kämpfen, nicht so einfach ausgelöscht werden können, durch eine an diesem Ort so offen praktizierte deutsche rassistische Asylpolitik.

Der Ort Eisenhüttenstadt ist voller feiger Faschos und reudiger rasisstischer Lokalpolitiker_innen, Bullen und Lagerpersonal. Das sind Gründe genug, die Menschen dort nicht alleine zu lassen.
Informiert euch über die Zustände an diesem Ort, erzählt weiter was dort passiert.
Bald wird es das nächste Camp geben, bis alle Zäune eingerissen sind und Refugees selber bestimmen können, wo sie leben und dann werden sie vielleicht über die Menschen schmunzeln, die in Eisenhüttenstadt wohl freiwillig wohnen

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