Menschenrechtsverletzungen und mangelnde Solidarität: PRO ASYL nimmt Stellung zur EU-Flüchtlingspolitik

Bei der öf­fent­li­chen An­hö­rung am heu­ti­gen Mitt­woch im In­nen­aus­schuss des Bun­des­tags zur EU-​Flücht­lings­po­li­tik nah­men meh­re­re Sach­ver­stän­di­ge von Or­ga­ni­sa­tio­nen der Zi­vil­ge­sell­schaft, dar­un­ter auch PRO ASYL, kri­tisch Stel­lung.

Mehr als 23.​000 Tote und Ver­miss­te an den Au­ßen­gren­zen der EU: Aus Sicht von PRO ASYL steckt die EU-​Flücht­lings­po­li­tik in einer Sys­tem­kri­se. Die drängs­ten Pro­ble­me: Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen an Eu­ro­pas Au­ßen­gren­zen und die feh­len­de So­li­da­ri­tät bei der Flücht­lings­auf­nah­me in­ner­halb Eu­ro­pas.

Il­le­ga­le Push­backs und Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen im Tran­sit be­en­den!
Völ­ker­rechts­wid­ri­ge Zu­rück­wei­sun­gen von Flücht­lin­gen, wie sie an den EU-​Au­ßen­gren­zen in Grie­chen­land oder auch Bul­ga­ri­en, teils unter schwe­ren Miss­hand­lun­gen ge­sche­hen, müs­sen ge­stoppt wer­den. In Li­by­en wer­den Flücht­lin­ge in Haft­zen­tren ge­fol­tert und miss­han­delt. Den sy­ri­schen, eri­trei­schen und so­ma­li­schen Schutz­su­chen­den, prima fa­cie-​Flücht­lin­gen, die sich ak­tu­ell im nord­afri­ka­ni­schen Tran­sit – über­wie­gend in Li­by­en – be­fin­den, müs­sen le­ga­le Wege er­öff­net wer­den, um das Ster­ben auf dem Mit­tel­meer zu be­en­den.

See­no­tret­tung ist Ge­mein­schafts­auf­ga­be
Im Zuge der ita­lie­ni­schen Mi­li­tärope­ra­ti­on „Mare Nost­rum“ wur­den al­lein in die­sem Jahr knapp 60.​000 Boots­flücht­lin­ge ge­ret­tet und nach Ita­li­en ge­bracht. Die feh­len­de eu­ro­päi­sche So­li­da­ri­tät wirft in Ita­li­en je­doch die Frage auf, bis wann und in wel­chem Um­fang die See­no­tret­tung bei­be­hal­ten wer­den soll. Nach dem Grund­satz der So­li­da­ri­tät unter den Mit­glied­staa­ten der EU muss die Le­bens­ret­tung im Mit­tel­meer muss eu­ro­pä­isch or­ga­ni­siert und fi­nan­ziert wer­den. Sie muss von einer mi­li­tä­ri­schen in eine zi­vi­le Ope­ra­ti­on um­ge­wan­delt wer­den.

Sy­ri­en­flücht­lin­ge in hoher Zahl auf­neh­men
PRO ASYL for­dert die Ad-​hoc-​Auf­nah­me von rund 80.​000 sy­ri­schen Flücht­lin­gen in Deutsch­land. EU-​weit sind we­ni­ger als 100.​000 sy­ri­sche Flücht­lin­ge ein­ge­reist. Ein Groß­teil ver­bleibt in der Her­kunfts­re­gi­on, wo sich die Lage zu­spitzt. Im Li­ba­non, der mehr als eine Mil­li­on Sy­ri­en­flücht­lin­ge be­her­bert, wer­den For­de­run­gen nach der Schlie­ßung der Gren­zen zu Sy­ri­en laut. In der Tür­kei (eine Mil­li­on Sy­ri­en­flücht­lin­ge) wer­den in den Pro­vin­zen Hatay und Ga­zi­an­tep wer­den be­reits Mau­er­ab­schnit­te er­rich­tet. Um die Erst­auf­nah­me­staa­ten zu ent­las­ten, muss die EU sy­ri­sche Flücht­lin­ge aktiv in hoher Zahl auf­neh­men. Dies wäre auch ein deut­li­ches Si­gnal, dass die Eu­ro­päi­sche Union Staa­ten wie die Tür­kei, den Li­ba­non und Jor­da­ni­en nicht im Stich lässt.

Du­blin-​Sys­tem ab­schaf­fen
Das Asyl­zu­stän­dig­keits­sys­tem „Du­blin“ wälzt die Ver­ant­wor­tung für Flücht­lin­ge auf die Staa­ten an den Rän­dern der EU ab, was diese zur Ab­wehr von Flücht­lin­gen teils unter schwe­ren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen wie Miss­hand­lun­gen und Push­backs führt. In den ein­zel­nen Mit­glieds­staa­ten wer­den Schutz­an­trä­ge höchst un­ter­schied­lich ent­schie­den. In­di­vi­du­el­le In­ter­es­sen von Flücht­lin­gen wer­den nicht be­rück­sich­tigt. PRO ASYL for­dert die grund­le­gen­de Än­de­rung des Sys­tems in ein ge­rech­tes und so­li­da­ri­sches Sys­tem der Ver­ant­wort­lich­keit. Flücht­lin­ge müs­sen selbst be­stim­men kön­nen, in wel­chem EU-​Land sie Asyl be­an­tra­gen möch­ten.

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