Buchkritik: „Papusza” – Angelika Kuźniak über eine zigeunerische Dichterin

angelika-kuzniak-papusza-cover-okladkaMan muss das Buch nicht unbedingt gelesen haben, um zu wissen, dass die Geschichte sehr traurig ist. Wenn man das Cover sieht, spürt man sofort die Stimmung des Buches. Es ist das zweite Buch von Angelika Kuźniak – eine polnische Reporterin und Kulturwissenschaftlerin. Das erste Werk von ihr „Marlene”, ist in einer ähnlichen Atmosphäre geschrieben. Es handelt ebenfalls von einer Künstlerin, deren Leben nicht einfach war.

„Papusza heißt eine Puppe“ – mit diesen Wörtern fängt Angelika Kuźniak ihre erzählerische Darstellung der Zigeunerin Bronislawa Wajs. „Papusza“ ist eine vielseitige Geschichte, in der jede/jeder was für sich finden kann. Eine poetische deutsch – polnisch – zigeunerische Erzählung und auch eine Biografie, weil es hier um das Leben einer begabten, einzigartigen und überempfindlichen Frau geht. Bronislawa Wajs hatte einen sehr starken Charakter, war aber genauso machtlos, da sie als einzige Frau Lesen und Schreiben konnte, in ihrem sozialen Umfeld. Eine Dichterin, deren Gedichte erfüllt von Liebe und Leidenschaft zur Natur sind. Dies hatte aber den Preis der Einsamkeit, Isolation und der folgenden Geisteskrankheit. Eigentlich ein gutes filmisches Szenario für den spanischen Regisseur Almodovar. Die Erzählung erweckt sehr starke Emotionen, von Rührung bis Wut. Die Autorin zeigt die zigeunerische Gesellschaft als homogen und ausgeschlossen. Dabei spricht Kuźniak hier sehr wichtige historische Motive an. Die Vernichtung der ZigeunerInnen während des zweiten Weltkrieges, oder der Versuch der Zwangskultivierung und Eingliederung in die polnische Gesellschaft durch die Volksrepublik Polen – das Drama der Menschen in der damaligen Zeit – wie sie es selbst bezeichnet.

Die Autorin hat 8 Jahre gebraucht um die Informationen über diese besondere Person zu sammeln, das alles zu beschreiben und daraus ein wertvolles Buch zu schaffen. Das ist auch großer Verdienst des Herrn Ficowski – ein polnischer Dichter, der die begabte Dichterin entdeckte und auf ihr Leben einen großen Einfluss hatte. Aus der erhaltenen Korrespondenz zwischen Ficowski und Bronislawa konnte Angelika Kuźniak sie näher kennen lernen. Die Dauer des Schreibens spürt man sofort beim Lesen, weil das Buch auf sehr interessante Art und Weise geschrieben wurde. Die Verfasserin dokumentiert das Leben mit Tagesbuchfragmenten und Briefen von Bronislawa aber auch mit Gedichten und Liedern der Zigeunerin in ihrem jeweiligem Lebensabschnitt, sowie mit Erzählungen von Zeitzeugen. Das alles ergänzt Kuźniak mit dem historischen Kontext, ohne es zu kommentieren. Es ist ein Werk, welches sehr authentisch und präzise geschrieben ist. Es verdient ohne Zweifel Aufmerksamkeit und regt zur Reflexion über das aktuelle gesellschaftliche Frauenbild an.

Die Buchkritik entstand im Rahmen des Seminar: Rezension literarischer Neuerscheinungen (WS 2013-2014) an der Europa Universität Viadrina

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