Buchkritik: F wie Fatum?

F-9783498035440_xlEin neuer Roman von Daniel Kehlmann mit dem Titel „F“ – ein weißer Buchstabe auf dem schwarzen Hintergrund, zwingt sofort zu den Überlegungen was diese enigmatische F bedeuten kann. Was will uns der Autor damit sagen? Es ist ein Rätsel, wo man sich denkt: nach dem Lesen des Romans wird das Rätsel gelöst.

Daniel Kehlmann geboren in München im Jahre 1975, ist mit seinem letzten Roman „Vermessung der Welt“, zu einem der besten und erfolgreichsten deutschen Schriftsteller im 21 Jahrhundert geworden. Auch international war das Werk eines der meist verkauften Bücher. Es ist eigentlich schon eine andere Voraussetzung als wenn man einen unbekannteren Autor liest.

Das Buch „F“ beginnt mit einem Familienausflug – der Vater Arthur mit seinen drei Söhnen – Martin, Eric und Iwan, zu einer Hypnosevorstellung. Diese Hypnosevorstellung verändert das Leben aller Personen. Arthur verschwindet nämlich spurlos für jahrelang um ein neues Leben anzufangen. Später taucht er wieder auf als Schriftsteller, der ein Bestseller mit dem Titel „Mein Name sei Niemand“ veröffentlicht hat. Die Familie Friedland steht im Zentrum des Buches. Mit dem Verschwinden des Vaters startet die richtige Geschichte über die drei Brüder. Jeder hat einen anderen Lebensweg gewählt. Martin ist ein katholischer, übergewichtiger Priester, der nicht unbedingt gläubig ist und seine einzige Leidenschaft ist Essen. Auf der anderen Seite Iwan und Eric, die zwar Zwillinge sind, die aber zwei unterschiedliche Leben führen, aber doch nicht ganz unterschiedlich sind. Iwan – ein Maler, Kunstkritiker und Kunstfälscher, Eric – ein Finanzberater, hochverschuldet. Es passiert rund um die Charaktere sehr viel, um ihre Beziehung zueinander und um ihre Beziehungen zu anderen Menschen. Wird gesagt, was sie alles falsch gemacht haben in ihren Leben. Wird die Thematik Wahrheit und Lüge angesprochen, alle Brüder gehen nämlich als Hochstapler durchs Leben. Alles was in dem Buch angesprochen wird, kann man ganz gut mit der Gegenwart verbinden und auf unsere Realität beziehen. Die Wirtschaftkrise, die Kirchenkrise und der Verfall der Moral. Das Werk wirft auch die existentiellen Fragen nach Sinn und Unsinn von Lohnarbeit und Leistungsdruck auf. Die Antwort muss sich die LeserInn selber geben.

Der Autor wechselt ein paar Mal die Erzählform. Manche Treffen beschreibt er aus Sicht von jedem Teilnehmer. Dadurch bekommt man eine andere Perspektive. Da fehlt natürlich eine weibliche Perspektive, weil das ganze Buch sich vor allem auf Männern konzentriert. Erst am Ende des Buches können wir einige Gedanken von einer Teenagerin Marie – Erics Tochter kennenlernen. Das literarische Mittel mit Perspektive wechseln benutzt der Autor um einen Spannungsbogen im Roman herzustellen. Das macht dieser Roman ein wenig lebendiger und realistischer. Die LeserInnen können sich fast mit allen Figuren konfrontieren. Vielleicht ist am Ende auch einfacher die Frage zu beantworten, ob dieses tat F, tatsächlich ein Fatum bedeuten kann. Das Fatum ist doch nichts mehr als eine Sammlung von Zufällen.

Die Buchkritik entstand im Rahmen des Seminar: Rezension literarischer Neuerscheinungen (WS 2013-2014) an der Europa Universität Viadrina

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