Buchkritik: Blogotony – Inga Iwasiów

blogotony-390Inga Iwasiów – geboren in Szczecin im Jahre 1963. Ist eine polnische Literaturwissenschaftlerin, Polonistin, Schriftstellerin, Literaturkritikerin, Feuilletonistin, Autorin eines Blogs. Die Liste ist noch länger, aber vor allem ist sie eine leidenschaftliche Feministin, die über die Welt aus der feministischen, Gender Perspektive schreibt. Damit kann man sich mit dieser Lektüre von ihr sehr stark auseinandersetzen, obwohl ihr Feminismus gar nicht so kämpferisch ist. „Blogotony“ ist eine Sammlung von Feuilletons und Blogposts. Wir finden in dem Buch unterschiedliche Themen, die die Autorin berühren, von Kultur, Büchern, Theaterstücken, Filme bis Politik, Polen, Reisen und Reflexionen die unsere Gesellschaft betreffen. Das Buch ist aufgeteilt in zwei Teile.

In dem ersten Teil befinden sich die Feuilletons, die als direkte Reaktionen auf bestimmten Ereignisse geschrieben wurden. Z.B. die Kritik des Filmes „Katyn“ von Andrzej Wajda – der nicht aus der historischen Perspektive betrachtet wird, sondern als eine Erzählung über Frauen und wie die Frauen in dem Film vorgestellt werden. Kommentare zu der Europameisterschaft 2012 – mit der Meinung, dass Fußball gar nicht existieren müsste. Sehr kritisch schreibt sie auch über die Popkultur, besonders wenn es um die Verdummung der Frauen geht. Die Schriftstellerin weist ziemlich intensiv darauf hin, was für ein Niveau die Presse und Literatur für Frauen hat. Wie die Medien es zeigen, was das weibliche Geschlecht machen und darstellen soll, es muss dieses und jenes machen, denken und sprechen. Die Frauen sollen auf bestimmte Art und Weise gekleidet sein, sie sollen aussehen wie eine Puppe im Schaufenster. Ein individuelles „ich“ zu entwickeln wird den Frauen abgesprochen und verwehrt. Es wäre doch schön, wenn die Frauen und Männer, die das gleiche tun, mit dem gleichen Engagement, gleich behandelt und wertgeschätzt würden. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern könnten wir als Wert betrachten und versuchen daraus eine andere Perspektive zu gewinnen.

Der andere Teil des Buches ist eher theoretisch und macht es für die LeserInnen schwerer empfänglich. Immerhin aber allgemein verständlich und mit interessanten Überlegungen, sowie dem Satz, der mich am meisten begeistert hatte: „Wir sollten das tun, was die andere nicht können bzw. dürfen und lehnen das ab, was jeder machen kann“.

Die Themen, die sie anspricht sind oft nicht einfach. Man sollte sich aber mit ihnen kritisch auseinander setzen. Das macht Iwasiow durchaus aber ihr fehlt die Radikalität in ihrer Ausdruckskraft. Die Texte lesen sich so höflich, elegant und brav. Es fehlt eine schlüssige Pointe bzw. konkrete Forderungen zur Veränderung der Situation. Sie macht das aus wahrscheinlich auch um ihre Texte als Feuilleton verkaufen zu können. Wobei weniger Zurückhaltung manchmal besser wäre. Vielleicht das ist die Ursache, warum ihre Polemik nicht schärfer sein kann.

Die Buchkritik entstand im Rahmen des Seminar: Rezension literarischer Neuerscheinungen (WS 2013-2014) an der Europa Universität Viadrina

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