Zur aktuellen Situation in Kiew und der Ukraine

1604562_717327878287561_32102774_nEine gute Freundin von mir weilt seit einiger zeit in der Ukraine, wie es ihr mit dem Euromaidan geht und was sie dort so erlebt, darf ich ihr im Blog veröffentlichen, es werden aufgrund der fülle mehrere Berichte werden.

In Kiew geht nichts mehr. Schulen sind geschlossen, niemand geht zur Arbeit. Metro sowie Strassen sind weiterhin gesperrt. Handy und Internetnetze funktionieren nicht. Es werden grosse Menschenmassen aus allen Teilen des Landes in Kiew erwartet. In Odessa gab es gestern Proteste vor dem Rathaus. In der letzten Nacht sperrten Berkuts den Bahnhof in Odessa und hinderten die Busse am Losfahren.

Die aktuelle Situation am Mittwochmorgen (19.2.)

40 Tote berichteten die ukrainischen Medien am heutigen Morgen, (von dem einen Kanal, den es noch gibt. Alle staatlichen Programme senden seit gestern nicht mehr auf Grund von „technischer Störung“) darunter der bekannteste Journalist der Ukraine. Er wurde heute morgen von den „Tituschki“ zusammengeschlagen und erschossen. Die „Tituschki“ sind Provokateure der Regierung, die unter das Maidan-volk gemischt werden und die Menge anheizen. Leider verschanzten sie sich heute Nacht mit Molotovcocktails im Hausflur einer deutschen Deutschlehrerin, die gerade auf Andreas Kommando nach Deutschland ausgeflogen wird, sowie viele andere Deutsche, auch ich, die für Andrea und das deutsche Sprachdiplom in vielen Städten der Ukraine unterwegs sind.

Nun, was wird aus mir? Andrea und ich einigten uns, dass wir erstmal hier in Odessa bleiben. Irgendwie muss das Leben ja weiter gehen, sagte sie mit einem unwohlen Ton in der Stimme. „Ein 500 Mann starkes Luftgeschwader wird aus Dnepropetrovsk angeordnet und wurde von allen Seiten bestätigt“ -kam die Meldung auf Andreas Ipad. Per Telefon ist in Kiew und andernorts in dieser Situation niemand zu erreichen, die Handynetze wurden abgeschaltet. Das Internet, wie ihr gerade seht funktioniert manchmal, aber oft auch nicht und wenn, dann sehr langsam.

Einige Lehrer sitzen seit Sonntag in Istanbul fest. Es ist im Moment nicht möglich in die Ukraine einzureisen (Was das merkwürdige Gefühl hinterlässt, dass die Türkei anscheinend schon auf die Situation vorbereitet war und „wir“ Deutsche von nichts wussten.) Das Luftgeschwader in den News verbreitete eine bedrückende Stimmung im Büro.. was wird nun passieren? Das Militär hält sich immernoch zurück, natürlich unterstehen sie dem Parlament und nicht dem Präsidenten, aber noch mehr ihren Muttis, die vor ca. drei Wochen eine Vereinigung ins Leben gerufen haben „Die Mütter der Soldaten“: „SCHIESST NICHT AUF EURE EIGENEN LEUTE!“ ist ihr Statement und ihre Jungs hören brav darauf. Die Jungs aus Dnepropetrovsk, was im Osten der Ukraine liegt und sich stark auf Russland bezieht, haben demzufolge kein gutes Elternhaus gehabt.

Die Prognose für die Ukraine steht seit ca. zwei Jahren fest: Die Ukraine wird sich in vier oder zwei Teile spalten, sowie damals die DDR und die BRD. Sebastopol, eine Stadt auf der Krim mit einem russischen Industriehafen, bekennt sich seit gestern nun auch zu Russland und fordert russische Berkuts an, Scharfschützen zur Verteidigung (Sie heissen in Russland anders, aber ich weiss nicht wie).

Wie ist es in Odessa und im Rest des Landes?

Also wie ihr vielleicht mitbekommt, brodelt es gerade in allen Städten mächtig. Polizeipräsidien brennen im Westen der Ukraine, die Menschen versuchen irgendwie nach Kiew zu gelangen. Seit gestern Mittag sind alle Straßen in Kiew gesperrt, die Metros sind geschlossen. Auch alle verbindenden Straßen nach Kiew werden von den Berkuts blockiert. Sowie auch in Odessa. Gestern Nacht versuchten hunderte von Menschen mit öffentlichen Überlandbussen von Odessa nach Kiew zu gelangen, doch die Berkuts wussten das gekonnt zu verhindern. Das Rathaus wurde vor einigen Wochen bereits mit Metallplatten geschützt, Berkuts patroillieren vor den Regierungsgebäuden. Seit ca. drei Wochen gibt es hier jeden Tag Demonstrationen, eine große wird heute abend 18Uhr stattfinden. „Auch wenn Odessa die gleichgültigste Stadt, der Ukraine ist: halte Dich von den Berkuts und allen Bewaffneten fern!“ -gab mir Andrea mit auf den Weg. Leichter gesagt, als getan. Kaum aus der Tür raus, marschierte an mir ein Block Berkuts vorbei. Fette, dumme Schweine wie aus einer Karikatur. Ein unheimliches Gefühl und ich drückte meine Handtasche eng an mich um niemanden von denen zu berühren.

PRO Präsident oder du bekommst kein Gehalt!

In Odessa, wie in vielen Städten der Ukraine, marschieren Demonstranten „Pro Janukovitsch, gegen den Maidan“. Sie halten große Schilder in den Händen mit Janukovitschs Gesicht und „Partei der Regionen“-Parolen.

Meine ehemalige Arbeitsstelle, die Akademie für öffentliche Verwaltung und Management des Präsidenten der Ukraine“ marschiert im Bund von Schuldirektoren, Lehrern und allen sonstigen Beamten brav wie Schafe um den Platz der 10. April. Sonst wird ihnen das Gehalt gestrichen, ganz einfach. Bestialisch, wie ich finde. Das macht mich wütend! Einerseits verkaufen sie für 150 Euro ihre Seele, anderseits hätten sie und ihre Familien dann einen Monat lang nichts zu essen.

Eine bedrückte Stimmung herrscht nun im Land angesichts der vielen Toten und unzähligen Verletzten, gleichzeitig aber auch eine Ohnmacht. Was ist nun zu tun? Heute morgen verbreitete sich auf der Seite der Partei der Regionen (die Partei Janukowitschs), sowohl auf der Seite der Demonstranten die Meinung: Angela Merkel sei Schuld an dieser Katastrophe, da sie tatenlos zuschaut.
„Deutschland wird doch morgen kommen und den Leuten auf dem Maidan helfen, oder?“ fragte mich gestern der 12-Jährige Daniel, der mit Entsetzen meine Livestreams verfolgte. Nein, denn unsere blauäugiger Aussenminister Steinmeier „stellt nur mit Erschrecken fest“ und macht sonst nichts.

Sanktionen gegen die Ukraine hätten gestern sofort folgen müssen um diesem sinnlosen Ausmaß an Gewalt entgegenzuwirken. Die Mentalität ist hier nach dem Motto: „bis zum Letzten!“. Macht heisst hier nicht gleichzeitig Verantwortung, Macht heisst hier nur Geld und Janukowitsch wird einen Teufel tun, diese abzugeben.
Was sollte nun passieren? Wie ist die Ukraine zu retten?
Die Konten sollten eingefroren werden um dem ganzen gestohlenen Geld Janukowitschs keinen Spielraum mehr zu lassen. Die Verfassung sollte wieder die gleiche sein wie 2004, um dem Präsidenten nicht mehr die ganze Macht zu überlassen.

Der Maidan war anscheinend ein gewolltes Ablenkungsmanöver Janukowitschs um in Ruhe Teile der Insel Krim an die Chinesen zu verscherbeln. Am Montag kam es nun endlich auch in den ukrainischen Medien: ein Pachtvertrag für die nächsten ca. 50 Jahre. Mein Chef der Holzfirma, für den ich hier eigentlich das Marketing managen sollte, tut es Janukowitsch gleich und beauftragte sofort nach dem Lesen des Zeitungsartikels seine Sekretärinnien. Die Firma soll nach China verkauft werden, für 10.000 Dollar. Hauptsache weg damit, die Deutschen würden sie auch nicht kaufen, das hätte er bereits versucht. Nach 10 Jahren wirft er nun endgültig das Handtuch und haut in wenigen Wochen nach Deutschland ab. Lieber früher als später. Der Ukraine droht der Staatsbankrot und er möchte nicht daran teilhaben.

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