Bad Belzig: Proteste gegen NPD Kundgebungen

Gegen zwei Kundgebungen der NPD protestierten gestern ungefähr 100 Menschen in der mittelmärkischen Kreisstadt Bad Belzig (Brandenburg). Die neonazistische Partei hatte sich offenbar nicht mit dem deutlichen Bekenntnis vieler Belziger Bürger_innen für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen, während der Sitzung des städtischen Sozialaussschusses am vergangenen Montag, abgefunden. Ungefähr 20 Personen aus dem gesamten Land Brandenburg hatte die NPD deshalb nach Belzig berufen, um die gegen das Asylheim agierende, zehnköpfige Gruppe um Pascal S. zu stärken.

Belziger Bürger_innen konnte die Partei damit freilich nicht locken, diese versammelten sich stattdessen zu einer Protestveranstaltung auf dem Marktplatz, an der auch die Bürgermeisterin Hannelore Klabunde (parteilos) sowie die Landtagsabgeordnete Astrit Rabinowitsch (Die.Linke) teilnahmen. Rabinowitsch betonte, dass Asylsuchende schnell integriert werden müssen und deshalb langfristig die Unterbringung in Wohnungen die beste Möglichkeit des Obdach gebens sei. Pfarrer Martin Gestrich lobte die guten Erfahrungen mit den Flüchtlingen und sprach sich, im Namen seiner Gemeinde, für die weitere Aufnahme von „Fremden“ aus. Diese positive Einstellung vieler Belziger zu Asylsuchenden wurde auch von Jean-Marce Banoho vom Verein Echo Kamerun begrüßt. Trotz Anfeindungen der lokalen neonazistischen Szene bezüglich seiner dunklen Hautfarbe, werde er gerne in Belzig bleiben.

Da gegen wetterte hingegen die Landesgeschäftsführerin der NPD, Aileen Rokohl aus Bernau, auf der zunächst jenseits des Marktes und später am Klinkengrund positionierten Kundgebung gegen das Heim. Asylsuchende seien lediglich „Sozialschmarotzer“ und die temporäre Unterbringung in Hotels „skandalös“. Für Rokohl gehöre das Grundrecht auf Asyl komplett abgeschafft.

Ähnlich äußerte sich auch der Brandenburger JN Vorsitzende Pierre Dornbrach aus der Lausitz auf den Kundgebungen. Er versuchte dies durch „Statistiken“ zu untermauern, demnach in der Bundesrepublik 98 % aller Bewerbungen um einen Asylantrag abgelehnt werden und für ihn damit kein Anspruch auf ein Bleiberecht hätten. Angeblich habe er auch nichts gegen Ausländer ansich, studiere sogar mit Arabern aus dem Jemen zusammen, weil er wisse dass sie auch wieder gehen. Und überhaupt: der eigentlich Feind seien die Demokraten, das System und die „Kreaturen“ von der Gegendemonstration, so Dornbrach, dem es anschließend noch zu einem Neonaziaufmarsch nach Berlin zog.

Die anwesenden Belziger Neonazis meldeten sich hingegen auf den Kundgebungen nicht zu Wort, ihnen waren lediglich Repräsentationsaufgaben zugedacht.

Bemerkenswert war hingegen die Teilnahme von mehreren Neonazis aus dem Raum Falkensee, da sich unter diesen der Anführer der Naziterrorgruppe „Freikorps Havelland“, Christopher H., befand. Die terroristische Vereinigung aus dem Osthavelland hatte Anfang der 2000er Jahre mehrere Brandanschläge auf Döner Buden und Asia-Imbisse verübt. H. wurde deswegen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

weitere Fotos:
Presseservice Rathenow

René Strammber

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s