Der Fall „Maria“ und die antiziganistische Medienhetze

Die reisserischen Artikel in den Medien über die Verhaftung des Ehepaares spielt mit rassistischen Stereotypen über “Zigeuner”. Jeder weiß, „Juden trinken das Blut christlicher Kinder“ und „Roma stehlen Kinder“. So ist es nicht überraschend, dass “Maria” bei einer Polizeikontrolle in einem Roma-Lager den Beamten aufgefallen ist, “weil es keinerlei Ähnlichkeit mit der Frau und dem Mann hatte, bei denen es lebte” (Spiegel).

Die einzigen Hinweise auf eine Kindesentführung sind, dass das Mädchen nicht bei seinen leiblichen Eltern wohnt, anscheinend falsche Papiere hat und das Paar sich bei einer Befragung in Widersprüche verwickelt hatte. Doch nur weil jemand falsche Papiere vorlegt, macht einen das noch nicht zum Entführer. Das hielt die BÖLD allerdings nicht davon ab, zu schreiben: “Die griechische Polizei hat ein 4-jähriges Mädchen aus den Fängen einer Roma-Bande befreit.

Die Berichterstattung führte zu wilden Spekulationen und zu Auswüchsen ähnlich einer Hexenjagd, wie man am Beispiel Irlands sehen kann, nachdem dort “Hinweise aus der Bevölkerungeingegangen waren:
Die irische Polizei hatte am Montag ein blondes Mädchen im Alter von sieben Jahren einer Roma-Familie entzogen und in staatliche Pflege gegeben. Wenig später wurde einer weiteren Familie ein zweijähriger Junge unter dem Verdacht entzogen, das Kind könnte entführt worden sein. Beide Kinder unterschieden sich mit ihren blauen Augen und blonden Haaren auffällig von ihren Eltern.

Allerdings wurden mittlerweile, durch DNA-Tests, Zweifel über die Familienzugehörigkeit definitiv ausgeräumt. Also keine Entführung, sondern wegen Armut von bulgarischen Roma verkauft? Bestürzen müßte dieser Fall auf jeden Fall. Doch dürften es, sollte sich dies bestätigen, wohl kaum einige deutsche Medien dazu bringen, ihre Hetze gegen Roma einzustellen und die Armut stattdessen zum Thema zu machen. Nach der rechtswidrigen Entführung zweier blonder Kinder durch Behörden in Irland und der erstaunten Feststellung nach einem DNA-Test, dass „blonde“ Haare und „helle“ Haut keine biologistischen Alleinstellungsmerkmale diverser anderer Bevölkerungsgruppen sind, sondern auch bei Roma vorkommen, führte dass bei einem Teil der Medien keineswegs zu einem Umdenken. Viel zu verführerisch scheint sich das Vorurteil von den „blonde“ kinderklauenden Roma als Schlagzeile benutzen, reproduzieren und Auflagen erhöhen zu lassen.

So sprang einem das „Blond“ in fast jeder Schlagzeile entgegen, als handelte es sich dabei um einen strafverschärfenden Umstand. Weit weniger dagegen bewegten die seit zehn Jahren verschwundenen ca. 500 Roma-Kinder die Gemüter. Bezweifelt werden kann deshalb sicherlich, dass nun eine Welle der Solidarität mit bulgarischen Roma ausgelöst wird, die sie aus ihrer Armut und Diskriminierung befreit. Schon jetzt ermitteln bulgarische Behörden gegen die mutmaßlichen Eltern und nicht gegen Armut als Ursache und gegen die politisch Verantwortlichen als eigentliche TäterInnen. Die Roma in Europa geraten mal wieder unter Generalverdacht, Kinder zu entführen. Für Journalisten und Polizisten reicht die Tatsache, dass die vermeintlichen Eltern Roma sind, um von Kindesraub auszugehen. Rassismus und soziale Ausgrenzung sind halt keine Straftatsbestände.

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