Flyer zur Mahnwache für die Opfer der Lampedusa-Katastrophe

Die Meldung von über 300 ertrunkenen Flüchtlingen vor der Mittelmeerinsel Lampedusa in der vergangenen Woche ist nur eine von vielen traurigen Vorfällen, die sich tagtäglich an den europäischen Außengrenzen ereignen. Wieder einmal starben Menschen bei dem Versuch, die „Festung Europa“ zu erreichen. Mit Booten, aus Holz oder Plastik, starten sie ihre Reise ins Ungewisse, in der Hoffnung auf ein besseres Leben im gepriesenen Europa. Doch Europa hat nicht nur kein Interesse daran, Flüchtlingen Asyl zu gewähren, sondern versucht aktiv, die Einreise zu verhindern.

Die europäische Grenzschutzorganisation „Frontex“ bekämpft systematisch und militärisch diejenigen, die das Mittelmeer überqueren wollen. Ein Großteil der Flüchtlinge wird bereits in ihren Heimatländern, spätestens jedoch an der nordafrikanischen Küste zur Rückkehr gezwungen. Die internationale Staatengemeinschaft hat dafür eine Organisation mit der neutralen Bezeichnung „Internationale Organisation für Migration“ (IOM) geschaffen, die in über einhundert Staaten weltweit infrastrukturell und operationell Menschen an der Flucht hindert.

Von Empathie, Flüchtlings- oder Menschenrechten fehlt jede Spur.

Die meisten Menschen, die fliehen wollen, haben keine Möglichkeiten dazu; sie sind grausamer Verfolgung, Folter, Bedrohung, Armut und Perspektivlosigkeit ausgeliefert. 80% der Menschen, die sich weltweit auf der Flucht befinden, sind sogenannte Binnenflüchtlinge. Sie schaffen es also nicht, ihr Herkunftsland zu verlassen. Und allein können sie an ihrer Situation wenig ändern.

Die Bedingungen, unter denen kapitalistisches Wirtschaften international stattfindet, benachteiligen systematisch die sogenannten „Entwicklungsländer“ und führt dazu, dass die sozialen und natürlichen Lebensgrundlagen dieser Länder ausgebeutet werden. Subventionen in den Industrienationen und Importzölle sorgen dafür, dass ihre Waren im internationalen Handel keine Chance haben. Die Industrienationen treiben diese Länder in eine strukturelle wirtschaftliche und finanzielle Abhängigkeit und schaffen damit die Grundlage für Armut, politische Verwerfungen, Konflikte und Kriege.

Der Widerspruch ist offensichtlich: Während Europa an den Zuständen in den Ländern, aus denen Menschen fliehen, ursächlich mitwirkt, existiert trotzdem kaum die Bereitschaft, sich mit den Folgen der eigenen Politik verantwortungsvoll auseinanderzusetzen. Die hiesigen Politiker_innen verabschieden hingegen ein menschenfeindliches Gesetz nach dem anderen, das Flüchtlingen nach und nach jede Chance auf Asyl nimmt. Zynisch wird das eigene Verschulden geleugnet. Im Gegenteil; im Zuge dessen werden hierzulande unbegründete Ängste geschürt und die xenophobe Stimmung noch weiter angeheizt.

Hier angekommen, erleben die wenigen Flüchtlinge, die es nach Europa geschafft haben, ein Leben, das geprägt ist von Isolation. Ausgestattet mit wenig Geld und einem Arbeitsverbot, untergebracht in überfüllten Lagern abseits der Städte, stets bedroht von einer möglichen Abschiebung, vegetieren viele vor sich dahin. Mit Protesten und einem Hungerstreik in der nahe gelegenen Zentralen Erstaufnahmestelle für Asylsuchende des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt versuchten Flüchtlinge erst kürzlich, auf ihre aussichtslose Lage aufmerksam zu machen.

Diese Zustände können uns nicht unberührt lassen! Jeder Mensch hat das Recht auf ein besseres Leben. Wir wehren uns gegen die rigide Abschottungspolitik und Menschenrechtsverletzungen, die Tag für Tag begangen werden und Menschenleben fordern! Wir gedenken der Opfer der europäischen Grenzpolitik und zeigen uns solidarisch mit jeder Form des Widerstandes gegen die „Festung Europa“ und die menschenfeindliche Politik ihrer Mitgliedsstaaten!

Advertisements

Ein Gedanke zu “Flyer zur Mahnwache für die Opfer der Lampedusa-Katastrophe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s