Utopia e.V.: Der Erinnerung einen Namen geben

Bei herrlichem Wetter konnten sich am Mittwoch den 05.06.2013 Frankfurter_innen die Ausstellung im „Zug der Erinnerung“ ansehen. Die mobile Ausstellung hat in diesem Jahr das nationalsozialistische Vernichtungslager Sobibor zum Thema: sie gedenkt den von den Nationalsozialisten ermordeten Kindern, die vor 70 Jahren aus dem Konzentrationslager Westerbork in den Niederlanden in das Vernichtungslager Sobibor deportiert wurden; zudem wird an den Aufstand der Häftlinge im Lager Sobibor erinnert.

Viele nutzen die Gelegenheit. So kamen schon um 8:00 Uhr die erste Schulkasse; bis 14:00 Uhr sollten es insgesamt 10 Klassen aus den Frankfurter Schulen werden. Darüber hinaus besuchten noch bis kurz vor Ende um 20:00 viele interessierte Bürger_innen den Zug. Insgesamt wird von etwas 300 Besucher_innen ausgegangen.

Zu der offiziellen Eröffnung um 11:00 Uhr, zu der auch Vertreter_innen der Jüdischen Gemeinde Frankfurt (Oder) erschienen, sprachen neben Janek Lassau vom Utopia e.V. und Rüdiger Minow vom „Zug der Erinnerung“ der Initiator der Stolpersteine, Gunter Deming, sowie der Frankfurter Stadtverordnetenvorsteher Peter Fritsch. Rüdiger Minow beschrieb die finanziellen Schwierigkeiten, in welche der „Zug der Erinnerung“, maßgeblich verursacht durch die von der Deutschen Bahn erhobenen Gebühren, immer wieder kommt. Er kritisierte, dass die Deutsche Bahn immer noch nicht bereit sei, sich ihrer historischen Verantwortung entsprechend zu stellen. Trotz dieser bitteren Erfahrungen werde er sein Engagement für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus fortsetzen. Janek Lassau machte deutlich: „Das früh erloschene Leben der deportierten Kinder, der heldenhafte Mut der Widerständler, aber auch abscheulichen Taten und das Zuschauen der Deutschen lässt mich heute aufstehen, wenn Menschenfeindlichkeit offen oder hinter vorgehaltene Hand offenbar wird.“ Ein während des Aufenthalts in Frankfurt entstandener antisemitischer Eintrag im ausgelegten Gästebuch des Zuges macht, klar wie wichtig die vorgetragene Mahnung des Stadtverordnetenvorstehers, „Wehret den Anfängen!“, ist.

Eine besondere Ehre für die Veranstalter_innen war die Anwesenheit von Jan Paciejewski, einem Mitglied der polnischen Bauernbatallione, die gegen die Nazis gekämpft und zur Befreiung Europas vom deutschen Faschismus beigetragen haben.

Im Zusammenhang mit dem Aufenthalt des „Zugs der Erinnerung“ in Frankfurt hat der Verein Utopia, in Kooperation mit dem Kleinen Kino, dem Bund der Antifaschisten Frankfurt (Oder), dem Historischen Verein zu Frankfurt (Oder) und dem Quartiersfonds des Programms „Soziale Stadt“ Frankfurt (Oder), ein Begleitprogramm erstellt, das in den kommenden Tagen stattfinden wird:

Freitag, 7. Juni, 19.30h: „Sarahs Schlüssel“ (Film, FR 2009, 111 min.), Gräfin-Dönhoff-Gebäude (Europa-Universität, Europaplatz 1)

Sonntag, 9. Juni, 18h: Vortrag zu Jüdischer Widerstand gegen das NS-Regime – Widerstand der Sinti und Roma, Referent: Stephan Wirtz (mit Film „Mit dem Mut der Verzweifelten“), Audimax AM 03 (Europa-Universität; Logenstr. 2)

Montag, 10. Juni, 17h: Rundgang zu den Stolpersteinen – Treffpunkt: Südeingang Lenné-Passagen; mit Gerhard Hoffmann (VVN-BdA Frankfurt (Oder) e.V.) und Carsten Höft (Historischer Verein zu Frankfurt (Oder) e. V.)

Dienstag, 11. Juni, 18h: „Flucht aus Sobibor“ (Film, GB/YU 1987, 120 min.), Audimax AM 03 (Europa-Universität; Logenstr. 2)

Weitere Informationen zum „Zug der Erinnerung“ sowie zu den Begleitveranstaltungen unter

http://www.zug-der-erinnerung.eu/ und http://utopiaffo.blogsport.de/.

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