Ostbrandenburger Bürgerinitiativen protestieren auf Großdemo in Berlin gegen industrielle Landwirtschaft

Anlässlich der internationalen Landwirtschaftsmesse „Grüne Woche“ protestierten bei eisiger Kälte im Berliner Regierungsviertel rund 25.000 Demonstranten gegen eine zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft. Unter dem Motto „Wir haben es satt! Gutes Essen. Gute Landwirtschaft. Jetzt!“ zogen bereits im dritten Jahr in Folge die Teilnehmer mit Transparenten und in teils phantasievollen Kostümen vom Berliner Hauptbahnhof durch das Regierungsviertel zum Bundeskanzleramt. Bauern, Verbraucher und Imker demonstrierten gemeinsam dafür, nicht die Interessen der Industrie in den Mittelpunkt der Politik zu stellen sondern die Interessen von Verbrauchern und Landwirten, der Tiere sowie des Natur- und Umweltschutzes. Darunter waren auch etwa 100 Menschen aus Ostbrandenburg aus den Landkreisen Märkisch Oderland (MOL) und Oder-Spree (LOS). Insbesondere rund um Müncheberg sind derzeit stark umstrittene Mastanlagen für Schweine und Hähnchen geplant. So sollen allein in der Gemeinde Steinhöfel die industrielle Intensivzucht von ca. 420.000 Hähnchen und in Eggersdorf bei Müncheberg von etwa 10.000 Schweinen betrieben werden. In der Region gibt es gegen den Ausbau der Industrie-Mastanlagen massiven Widerstand der Anwohner.

„Die gemeinsame Demonstration hat unseren Widerstand gestärkt, denn wir haben gesehen: Wir sind nicht allein im Kampf für eine Agrarwende“ sagte Sven Welk, Sprecher der Initiative „Dörfergemeinschaft gegen die Hähnchenfabrik in Steinhöfel“. Die Ostbrandenburger Bürgerinitiativen marschierten in einem Block mit anderen Initiativen aus ganz Deutschland. Mittlerweile haben sich bereits über 200 Bürgerinitiativen von Bayern bis Schleswig-Holstein, von Niedersachsen bis Brandenburg dem Bündnis „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ angeschlossen, so Welk.

Die bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Sabine Niels unterstützt den Protest der Brandenburger Bürgerinitiativen und kritisiert die rotrote Landesregierung: „ Das Land verschließt die Augen vor dem Ausbau der Intensivtierhaltung in Brandenburg“, kritisierte Niels am Rande der Demonstration. So wurde erst im letzten Jahr ein Antrag ihrer Fraktion von der Regierungsmehrheit aus SPD und LINKE niedergestimmt, der den Bürger und dem Tierschutz mehr Rechte zugestehen sollte. Die Agrar-Expertin von Bündnis 90/ Die Grünen wies darauf hin, dass die Bundesländer nicht machtlos sind: „Über eine Verbesserung von Brandschutzmaßnahmen bei Mastanlagen oder die Unterbindung von Subventionen für großindustrielle Anlagen kann eine Landesregierung regulierend eingreifen“ so Niels. Doch dies scheint nicht gewollt zu sein. Stattdessen wurde erst im letzten Jahr die Förderungsprämie für eine Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft abgeschafft, kritisiert Niels.

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