9 Jahre Bambule Räumung

Heute jährt sich die Räumung des Wagenplatzes Bambule in Hamburg zum 9. mal,

Bambule war der Name eines Bauwagenplatzes im Hamburger Karolinenviertel, einem Sanierungsgebiet im Stadtteil St. Pauli. Er wurde am 4. November 2002 von der Polizei geräumt, nachdem der Hamburger Senat mit dem zuständigen, umstrittenen Innensenator Ronald Schill entschieden hatte, diese Wohnform nicht mehr zu dulden. Die Entscheidung war in der Hansestadt heftig umstritten.

Geschichte

Der Platz an der Vorwerkstraße wurde seit 1993 für das Wohnen in Bauwagen genutzt, ursprünglich von einigen Bewohnern des Wohnprojekts „Bahnhofstraße“ in der Marktstraße 107. Nach Ende der dortigen Bauarbeiten zogen Anfang 1994 neue Bewohner in die Wagen, die schnell das Misstrauen des Bezirks Hamburg-Mitte und der – mit der städtebaulichen Sanierung im Karolinenviertel beauftragten – „Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH“ (STEG) erweckten. Es wurde im Winter 1994/1995 versucht, die Bewohner durch eine Räumungsklage zum Umzug zu bewegen. Dies führte am Abend des 1. Dezembers 1994 zu einer „Straßenschlacht“, über die von CNN sogar „weltweit“ berichtet wurde. Der akute Konflikt konnte zunächst durch das Eingreifen des damaligen Innensenators Hartmuth Wrocklage beschwichtigt werden. Die angedrohte Räumung wurde nach dieser Erfahrung immer wieder ausgesetzt.
Es bestanden jedoch weiterhin unterschiedliche Absichten für die Nutzung der Flächen: Bezirksverwaltung und STEG machten den Bewohnern wiederholt Vorschläge für einen Umzug, zu denen auch die Sanierung eines leerstehenden Hauses in Form eines Wohnprojektes als Teil des Programms zur Alternativen Bau-Betreuung (ABB) gehörte. Diese erwies sich wegen des äußerst schlechten Erhaltungszustands des Hauses als nicht realisierbar. Das Gebäude ist mittlerweile saniert und beherbergt zwei Geschäfte im Erdgeschoss. Die Koalition aus CDU, Schill-Partei und FDP, die bei den Bürgerschaftswahlen 2001 eine Mehrheit erreicht hatte, wollte den Bauwagenplatz nicht mehr dulden und setzte schließlich die Räumung des Bauwagenplatzes um.

Räumungsgründe

Gründe waren, neben der bevorstehenden Erweiterung der Hamburg Messe und entsprechenden Gestaltungsplänen zur Stadtentwicklung im Karolinen-Viertel, die, nach Auffassung der Stadtverwaltung, unhygienischen Zustände sowie die Tatsache, dass die Bauwagenbewohner weder Miete noch Gebühren für Strom und (Ab-)Wasser bezahlt hatten. Die Bewohner wären nach eigener Aussage bereit zum Abschluss entsprechender Verträge gewesen, was jedoch vom Hamburger Senat aus grundsätzlichen Erwägungen abgelehnt worden sei. Nach Senatsplänen sollten stattdessen Kleingärten für Anwohner errichtet werden.

Räumung

Die Räumung der vom Wagenplatz genutzten Flächen wurde am 4. November 2002 unter großen (auch bundesweiten) Protesten durchgeführt. Mehrere Wochen lang kam es zu Demonstrationen und Krawallen in der Stadt. Dabei wurden Slogans wie „Gegen die Hetze, gegen Gesetze, für mehr Bauwagenplätze!“, „Bambule!“ oder „Schill muss weg!“ verbreitet. Innensenator Schill versuchte, die Proteste polizeilich zu verhindern. Viele Bewohner des Karolinenviertels empfanden den Bauwagenplatz nicht als Belastung und die Polizeiaktionen als überzogen. Sie beklagten eine Wandlung des Klimas in der traditionell toleranten Stadt, kritisierten das Bauwagengesetz als veraltet und unnötig und brandmarkten die Räumung als Aktionismus und Populismus. Anwohner und lokale Einzelhändler solidarisierten sich mit dem Protest, indem sie für die Bauwagenplatzbewohner in einem Offenen Brief Stellung nahmen und Transparente an ihren Häusern befestigten. Auch Künstler wie die Bands Tocotronic, Fettes Brot, die Absoluten Beginner, ddp, Die Ärzte, Udo Lindenberg und Theater-Intendant Tom Stromberg erklärten ihre Solidarität mit dem Protest oder widmeten ihm Lieder. Der Radio-Sender Freies Sender Kombinat (FSK) begleitete die Proteste mit Liveberichten von der Straße, Reportagen und Diskussionssendungen und veranstaltete als Protest ein „Innenstadtballett“.
Es gab auch kritische Stimmen gegen den Bambule-Bauwagenplatz aus der Hamburger Bevölkerung, die nach den Erfahrungen mit Autonomen und der Hafenstraße die Auffassung des Senats teilten, dass auf städtebaulicher Ebene ein gewisses Maß an Ordnung zu herrschen habe, das die Bambule nicht erfüllte.[1]
2004 wurde mit dem Wendebecken in Barmbek-Nord ein weiterer Hamburger Wagenplatz zwangsweise geräumt. Die verbliebenen Plätze wurden weiterhin geduldet.

Doch bereits seit einigen Wochen steht fest, dass in November der Wagenplatz „Zomia“  in Hamburg – Wilhelmsburg geräumt werden soll.

Allem Anschein nach soll das, was unter Schwarz-Schill als Koalitionsvereinbarung festgeschrieben wurde, nämlich die Auflösung aller Wagenplätze in Hamburg, auch trotz Jahren nach Neuwahlen und ohne Schill-Partei unvermindert fortgesetzt werden.
Wir wollen diese  Eskalation nicht tatenlos zusehen, sondern mobilisieren bundesweit zur Verteidigung der Wagenplätze und der Roten Flora nach Hamburg. Wir fordern alle, auf sich am Widerstand zu beteiligen und die Fortsetzung der Räumungswelle in Novemver zu verhindern.

BAMBULE DURCHSETZEN

Die Bambule ist seit mittlerweile über neun Jahre geräumt. Seit der gewaltsamen Auflösung des Platzes im Karoviertel sind auch aufgrund der anhaltenden Proteste weitere Räumungen ausgeblieben. Mittlerweile scheint der Bonus „Bambule“ jedoch aufgebraucht. Der Senat weigert sich nach wie vor, neue Verhandlungen mit Bambule aufzunehmen und ein neuer Platz wird verweigert. In dieser Situation haben sich die Senatsbehörden entschlossen, neue Räumungen zu starten.

So manche ehemalige BewohnerInnen der Bambule, die vorübergehend aus Solidarität bei anderen Wagenplätzen untergekommen sind, dürfen sich jetzt statt auf einen neuen Platz auf eine weitere Räumung vorbereiten. Wohin die geräumten Bauwagenbewohner sollen, ist dabei nach wie vor völlig ungeklärt.VIVA BAMBULE!

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