Ein Tag im Asylbewerberheim

Stille – ein großer Zaun vor uns teilte den traurigen Anblick des Asylbewerberheimes in Frankfurt (Oder) in kleine Stücke. Verlassen stehen die kahlen Wohnblöcke dicht aneinander gedrängt in Reihe und Glied.Bevor wir den Hof des Heimes betreten durften, mussten wir unsere Ausweise in einem kleinen Empfangshäuschen am Eingangstor abgeben. Das dumpfe Geräusch unserer Schritte auf dem Betonweg zum Eingang des Heimes durchbrach die Stille. Oben angekommen, lag ein schmaler, kaum beleuchteter, leerer Gang vor uns. Nun standen wir endlich vor einem Raum, in dem wir unsere Freunde treffen sollten. Sie öffneten die Tür. Fassungslosigkeit beim Anblick des Zimmers. In das 12 qm2 großen Zimmer passten nicht mehr als zwei Betten, ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen und ein Schrank hinein. Unsere Zimmer sind unser Zuhause, und für unsere Freunde ist dieser stickige, schimmlige, trostlose, enge Raum eine einzige wohnliche „Aufbewahrungsstätte“. Realität, die mehr als ein unangenehmes Gefühl in uns hervorrief. Doch wir wissen, dass sie unser Mitleid nicht brauchen. Auch bei der Besichtigung der sanitären Anlagen wurden unsere Erwartungen alles andere als bestätigt. Es gibt in jeder Etage eine Gemeinschaftsküche und eine Toilette mit Duschen für Männer und Frauen. Die Hygiene ließ zu wünschen übrig. Später erzählten sie uns, dass sie pro Monat einen Bong bekommen, mit dem sie dann nur bei Real an Kasse 8 Lebensmittel einkaufen können. Nach einer Weile mussten wir uns auf den Weg nach Hause machen, da die Besuchszeit nur bis 22.00 Uhr geht. Wir wissen wie wichtig es ist, sich wohl zu fühlen. Dabei werden wir unsere Freunde unterstützen, denn Freundschaft kann auch ein gutes Zuhause sein. Selbst auf dem Hof kann man sich nicht geborgen fühlen, denn es gibt dort keine bzw. nur eine geringe Anzahl bunter und schöner Pflanzen. Es ist schon erstaunlich, dass Menschen in solch einer kalten und traurigen Atmosphäre so viel Wärme und Lebensfreude ausstrahlen können. Gerade aus diesem Grund haben wir uns dort trotzdem sehr wohl gefühlt.
Wir werden nicht wegschauen, und wir werden das alles auch nicht vergessen.

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