Zaglebie Sosnowiec – Lech Poznan 27.04.02

Stadion Ludowy 27.04.02 2.Liga Polen

Zusammen mit Christian ging es mal wieder nach Polen, genauer gesagt nach Sosnowiec, ins polnische Kohlerevier. Freitag abend ging es los und so kam man schon am frühen morgen in Krakow an, wo wir noch etwas abhängen wollten, ehe es nach Sosnowiec ging. Doch da es tierisch regnete beschlossen wir direkt den nächsten Zug, soll heißen 10 min später, wieder zurück nach Katowice zu nehmen. Leider hatten wir auch keine Ansetzungen über 3.Liga Spiele die vielleicht am Vormittag kickten parat, also besuchten man mal das Stadion Slaski. So ging es gegen 10 Uhr nach Chorzow, wo sich das Nationalstadion (finden trotzdem nicht alle Nationalelfkicks dort statt) befindet. Da auch direkt daneben der Ground vom AKS Chorzow liegt wollte man auch da noch ein paar Fotos machen. Tja, und dann kam wieder mal unser Pech zu Tage, denn wäre man 90min eher hier gewesen hätte man sich diesen Ground auch noch mit einem Juniorenspiel abkreuzen können. Na dann halt beim nächsten mal.

Irgendwann ging es jedenfalls mit der Straßenbahn von Katowice nach Sosnowiec, wo man nach einer halben Stunde Fahrt im Regen ankam. Noch schnell entlang der Hochhäuser zum Ground gelaufen, und siehe da, das Wetter wurde besser und Klärchen zeigte sich uns. Das Stadion fasste früher wohl mal um die 15-20.000 Leute und besitzt heute jedoch nur noch eine versitzplatzte Gegengerade, gehalten in den Vereinsfarben Grün-Rot-Weiss. Dazu eine kleine überdachte Tribüne für wohl kaum mehr als 450 Personen. Die Gäste stehen in der Kurve wo es ein paar Traversen gibt. Die anderen Seiten sind verfallen und warten wohl auf sportlichen Erfolg, soll heißen die Sponsorengelder die in solchen Fällen fließen, um auch sie wieder auf Vordermann zu bringen. Irgendwie verpassten wir es uns Tickets für die Tribüne zu holen und standen nun auf der Gegengeraden neben den Heimfans. So bequatschte man noch einen Ordner ob er denn mal auf die Aschenbahn dürfte um Fotos von den Transpis und vom Block zu machen, und natürlich wir durften. Heute waren es wohl um die 2.500 Fans gewesen die ihr Team die wichtigen Punkte gegen den Abstieg einfahren sehen wollten. Doch da es gegen den Tabellenführer aus Poznan ging, war dieses natürlich kein leichtes Unterfangen. Die Heimmannschaft bestimmte zwar das Spiel, doch Tore schossen die Blau-Weissen. Immer getreu dem Motto „erst hat man schon kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu“ versemmelte man einen Elfer, und musste mit ansehen wie Lech die Tore reinstolperte. Der Support hielt sich bis zur 30. min in Grenzen, als plötzlich etwa 80 Posener in ihren Gästeblock stürmten, 3 Transpis anhingen und sofort etwa 20 Bengalos abfackelten. Sah schon mal nicht schlecht aus.

Fortan gab es auch bessere Stimmung, soll heißen Gesangsduelle, welche die Lechfans überraschend (wegen dem kleinen Mob) für sich entschieden. Zur zweiten Halbzeit zündelten dann die Sosnowiecer mit etwa 50 Bengalen und ebenso vielen Fontänen (die aber in der Tagessonne nicht recht zur Geltung kam) herum. Plötzlich gab es einen kleinen Streit (keine Ahnung wieso) zwischen 1-2 Sosnowiecern und einem Ordner, der diesen dann Dank seines absolvierten Rhetorikkurses mit dem Einsatz von Pfefferspray beenden wollte. Doch dies rief natürlich nur noch mehr Fans auf den Plan, und bald war man sich am Zaun schon gut am Boxen. Dann flogen auch die ersten Sitzschalen, einige wollten sich auf den Weg in Richtung Gästesektor machen und am Zaun ging es immer noch gut her. Alsbald kam dann auch die Polizei mit Wasserwerfer und Gummigeschossen, und versuchten die Sosnoiecer zurückzutreiben. Ein zweiter Wasserwerfer kam dann von hinten an den Block und machte die Leute quasi hinterrücks nass. Dazu immer das Geräusch von abgefeuerten Gummigeschossen in den Ohren. Einem Angriff folgte die Flucht und der Flucht der nächste Angriff. Irgendwann trieben die Polizei die Fans aus ihrem Block und auch wir beschlossen uns dem Ausgang zuzuwenden. Dabei ging es hinter den Sitzreihen auf einer abfallenden Rasenfläche bis zu einem kleinen Zaun den wir überstiegen um sofort nach Schutz suchend links hinter ein paar Bäume zu rennen, denn hinter uns schoss die Policja wieder um sich. Nun musste man nur noch eine kleine Brücke überqueren und schon war man in (relativer) Sicherheit. Doch das war schwerer als es klingt, stand doch die Polizei so günstig dass sie immer wenn ein paar Leute die Brücke überqueren wollten einfach reinballerten. Dann nahm man aber doch den Mut zusammen, und mit etwa 40-50 anderen, halb geduckt und beim Nebenmann Schutz suchend, über den kleinen Fluss (kann aber auch ein Kanal gewesen sein). Auf jeden Fall rannte man nun erstmal zu den Hochhäusern neben dem Stadion um das weitere Treiben von da zu beobachten. Die Staatsmacht wurde noch mit Unmengen von Steinen bedacht und es gab ein nettes hin und her. Ein gutes Dutzend Six Packs kamen auch noch angerauscht und versuchten die randalierende Masse auseinanderzutreiben. Dass sollte auch mehr oder weniger gelingen und brachte Ruhe in die Szenerie (diese Ruhe wäre in Deutschland immer noch schlimmste Randale, aber in Polen ist man halt Anderes gewohnt). Für uns ging es dann wieder zurück nach Katowice von wo wir mit dem Nachtzug nach Hause asselten, ehe es zum letzten 03 Heimspiel in Liga 2. ging.

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